Rosabeth Moss Kanter
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Von Rosabeth Moss Kanter
Auch Dinge, die man unterlassen hat, können einem schaden. Verpasste Gelegenheiten führen zu später Reue. Nokia hätte sich beispielsweise dahingehend entwickeln können, heute bei Smartphones führend zu sein. Die US-Börsenaufsicht SEC hätte die Machenschaften des Milliardenbetrügers Bernard Madoff weit früher aufklären können, wenn sie den konkreten und detaillierten Hinweisen nachgegangen wäre. Und Yahoo hätte auch an Microsoft verkaufen können - hat es aber nicht getan.
Nichts zu unternehmen scheint einfach. Dabei ist es häufig ein auf den ersten Blick wenig offensichtlicher, aber doch großer Fehler. Eine Unterlassung kann sehr oft die größere Sünde sein als eine Handlung. Natürlich erfordert es Mut, Dinge anzupacken. Es braucht Schneid und Kühnheit, etwas Neues in die Welt zu bringen. Doch bedauerlicherweise scheinen diese Eigenschaften heutzutage eher Mangelware zu sein. Worauf warten Führungskräfte? Wie soll die angeschlagene Wirtschaft ohne mutige Handlungen und Innovationen wieder auf die Beine kommen?
Veränderungen werden durch beherztes Handeln angestoßen. Wer allgemein anerkannte Gemeinplätze erschüttern und neue Möglichkeiten skizzieren will, bedarf intellektueller Courage. Führungskräfte müssen deshalb alles daransetzen, Grenzen zu überwinden und ihre Branche neu zu definieren. Jeff Bezos, Grün-der von Amazon, hat sein Unternehmen etwa mutig von einem Online-Buchhändler in einen Content-Provider und zuletzt sogar in einen Endgerätehersteller verwandelt.
Das Führungsteam des US-amerikanischen Telekommunikationsunternehmens Verizon Communications Inc. investierte, als es sah, dass das Wachstum im traditionellen Telekommunikationsgeschäft beschränkt war, Milliarden in Glasfaserkabel, um die Verbindungen schneller zu machen. Verizon verbrüderte sich auch mit Google, um Android-Smartphones einzusetzen, was wiederum tief greifende Veränderungen der bestehenden Geschäftspraxis nach sich zog.
Auch wenn es um die eigenen Werte geht, ist Mut wichtig. Wer sich ein Herz fasst, steht für seine Werte ein und versteckt sich nicht auf der Reservebank. Egal, ob Sie ihm in der Sache zustimmen oder nicht: Howard Schulz, CEO der US-amerikanischen Kaffeehauskette Starbucks, zeigte Mut, als er andere Unternehmen aufforderte, Parteien so lange nicht mehr finanziell zu unterstützen, bis die US-Regierung ihren Haushalt wieder im Griff hat. Auch der ehemalige Vorsitzende der amerikanischen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte Touche zeigte Chuzpe, als er aus einem reinen Männerklub austrat, dem auch viele Kunden seines Netzwerkes angehörten, und sich öffentlich für eine Beförderung von Frauen aussprach. Andere Unternehmen ahmten Deloittes Engagement für weibliche Mitarbeiter später nach.