RSS Samstag, 25. Mai 2013

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Fallstudie

Wann das Private bekannt werden muss

Von Tiziana Casciaro und Victoria W. Winston

Die Angestellte eines US-Biotechnologieunternehmens ist Favoritin für die Stelle als Leiterin der Auslandsgeschäfte. Kurz vor dem erhofften Karrieresprung stellt sie fest, dass sie schwanger ist. Wie soll sie mit dieser Information umgehen?

Darf ich Ihnen etwas zu trinken bringen?", fragte der Kellner Betsy Sugarman. Sie und ihr Ehemann Zach tauschten Blicke aus.

"Nein danke", erwiderte Sugarman, "nur die Speisekarte bitte." Sie seufzte und wendete sich ihrem Ehemann zu. "Ohne Wein zu feiern ist irgendwie nicht dasselbe."

"Wenn du möchtest, höre ich auch auf zu trinken - aus Solidarität", sagte er.

Sie lächelte gequält. Es war ja nicht so, dass sie nicht schwanger werden wollte. Sie wollte es unbedingt. Sie hatte sich schon immer Kinder gewünscht. Nur dass es so schnell gehen würde - damit hatte sie nicht gerechnet.

"Du solltest dich freuen, Bets, ob mit Wein oder ohne. Das ist doch aufregend. Ein ganz neuer Lebensabschnitt für uns." Zach Sugarman nahm ihre Hand. Er hatte dieses Abendessen in ihrem Lieblingsrestaurant "Luna Park" vorgeschlagen, denn hier hatten sie auf ihre großen Augenblicke angestoßen: ihre Verlobung, Betsys Aufnahme an der Business School, Zachs erster Großkunde, nachdem er seine eigene Medienproduktionsfirma gegründet hatte. Keine Frage, wenn die beiden die Nachricht von der Schwangerschaft feiern wollten, dann war dies der richtige Ort. Doch Betsy war nicht in Feierlaune, eher trieb sie ein mulmiges Gefühl um.

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