Die Schlussfolgerung leuchtet ein: Gesellschaften, in denen sich neue Erfindungen schnell verbreiten, sind mit großer Wahrscheinlichkeit produktiver als andere. Um diesen Zusammenhang zu verstehen, haben Diego Comin und Bart Hobijn viele Jahre damit verbracht, die Datensammlung CHAT (Cross-country Historical Adoption of Technology) anzulegen. Diese zeigt, wann 161 Staaten 104 neue Technologien einführten - von der Dampfmaschine bis zum PC. Ihre Analyse liefert drei wichtige Erkenntnisse:
1. Innovationen verbreiten sich im Schnitt 45 Jahre nach ihrer Erfindung. 2. Abweichungen in der Verbreitungsgeschwindigkeit sind größer als erwartet; 25 Prozent der Unterschiede im Pro-Kopf-Einkommen einzelner Länder sind auf diese Abweichungen zurückzuführen. 3. In jüngerer Zeit hat es weniger Verzögerungen bei der Einführung gegeben als früher. Was bedeuten diese Erkenntnisse? Dass die Überlegenheit der westlichen Welt, in der sich neue Erfindungen bislang besonders früh verbreiteten, im Laufe der Zeit abnehmen könnte.
Dampfschiff
Machte es möglich, große Frachtmengen über große Entfernungen hinweg zu transportieren. Als Folge wuchs der internationale Handel erheblich.
1819 dauerte eine Atlantiküberquerung 26 Tage. 1850 brauchte ein Dampfschiff nur noch knapp eine Woche.
Eisenbahn
Erweiterte die Reisemöglichkeiten und erleichterte die Anbindung isolierter Orte, was das Wachstum beschleunigte.
Unterschiedliche Spurweiten führten dazu, dass Passagiere 1917 bei der Durchquerung Australiens sechsmal den Zug wechseln mussten.
Telegraf
Reduzierte die Zeit für den Nachrichtenaustausch erheblich. Bald diente die Technik zum Austausch von Informationen über Aktien- und Rohstoffpreise.
Samuel Morse überzeugte den US-Kongress, 30 000 Dollar für den Bau einer Telegrafenleitung auszugeben.
Telefon
Ermöglichte Kommunikation in Echtzeit ohne Rücksicht auf räumliche Entfernungen. Dadurch stieg die wirtschaftliche Effizienz rapide an.
Transatlantische Verbindungen liefen über Funk, bis 1956 das erste Unterwasserkabel in Betrieb ging.
Elektrizität
Steigerte den Lebensstandard und ermöglichte einige der weltweit wichtigsten Innovationen.
Die US-amerikanische National Academy of Engineering nannte die Elektrifizierung die größte Errungenschaft des 20. Jahrhunderts.
Automobil
Veränderte Stadtplanung, Erwerbstätigkeit, Einkaufsmuster und soziale Kontakte der Menschen.
Im Jahr 2009 überholte China die USA als weltgrößter Markt für Automobile.
PassagierFlugzeug
Ließ die Welt schrumpfen und erleichterte das internationale Geschäftsleben.
Die ersten Flugbegleiter in den USA waren junge oder klein gewachsene Männer. Krankenschwestern waren die ersten Frauen, die als Flugbegleiterinnen arbeiten durften.
Mobiltelefon
Ermöglichte sofortige Kommunikation zu jeder Zeit und an jedem Ort. Es hatte massiven Einfluss auf das Geschäftsleben und soziale Interaktionen.
Im Jahr 2011 gab es in China fast dreimal so viele Handys wie in den USA.
PC
Brachte die Arbeitsleistung von Großrechnern in kleine Unternehmen und zu den Konsumenten.
Die Open-Source-Bewegung machte Software erstmals auch in armen Ländern wie Pakistan erschwinglich.
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AUF EINEN BLICK: Länder, in denen sich Erfindungen schnell verbreiten, sind meist produktiver.
Diego Comin
ist außerordentlicher Professor für Betriebswirtschaft an der Harvard Business School.
Bart Hobijn
ist wissenschaftlicher Berater für mikroökonomische Forschung an der Federal Reserve Bank of San Francisco.
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