RSS Dienstag, 18. Juni 2013

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Ein Feldversuch mit über 900 Studenten

FOTO: HBS

Nitin Nohria

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Kommentar

Harvard goes Mumbai

Von Nitin Nohria

Anders als junge Mediziner werden Absolventen von Business Schools oft ohne Praxiserfahrung ins Berufsleben entlassen. Das muss sich ändern, findet der Dekan der Harvard Business School - und hat ein Programm entwickelt, das Studenten Demut lehren soll.

Vor einigen Jahren hatte ich Besuch von einem Verwandten aus Indien, der prompt krank wurde. Kurz darauf saß er auf einer fahrbaren Trage im Krankenhaus, um ihn herum viele Menschen in Arztkitteln - Menschen, die zum größten Teil furchtbar unerfahren waren.

In Boston ist das ganz normal. Viele unserer wunderbaren Krankenhäuser sind mit medizinischen Hochschulen verbunden, das heißt dort laufen überall Medizinstudenten herum. Es kann einen beunruhigen oder sogar ängstigen, wenn man seine Gesundheit in die Hände von Menschen legen soll, die ihren Beruf erst noch lernen müssen. Aber immer wenn ich in solch einer Situation bin, erinnere ich mich daran, dass wir als Patienten mithelfen müssen, die nächste Ärztegeneration auszubilden. Ich denke außerdem daran, wie gut die Ärzteschaft ihren Nachwuchs ausbildet: Einerseits bekommen junge Ärzte genügend Eigenverantwortung zugestanden, um wirklich daraus zu lernen; andererseits minimieren ihre Ausbilder das Risiko, dass der Nachwuchs mit seiner Unerfahrenheit Patienten schaden könnte.

Die klinische Erfahrung, die jeder frischgebackene Doktor gesammelt haben muss, ist das ideale Beispiel dafür, wie sich in der akademischen Berufsausbildung die Kluft zwischen Wissen und Handeln schließen lässt.

Grundsätzlich gelingt dies medizinischen Hochschulen viel besser als Business Schools. Aber sie haben natürlich einen Vorteil: Jedes Krankenhaus hat einen stetigen Zulauf an Patienten, mit denen die Studenten umzugehen lernen. Wer dagegen BWL-Studenten echten Managementsituationen aussetzen will, steht vor einer im Vergleich viel schwereren Aufgabe. Dennoch müssen Business Schools weitaus härter daran arbeiten, die Kluft zwischen Wissen und Handeln zu schließen.

Schon seit Langem verwendet die Harvard Business School (HBS) Fallstudien, um ihre Studenten in die Rolle von Managern zu versetzen, die unternehmerische Probleme lösen müssen. Die Fallstudienmethode stammt ursprünglich von der Harvard Law School und wurde für die Managerausbildung abgewandelt. Unsere MBA-Studenten müssen 400 Fallstudien innerhalb von zwei Jahren bearbeiten - so können sie eine Menge Erfahrung mit unternehmerischen Problemen sammeln. Fallstudien sind ein sehr effektives Instrument, aber sie haben ihre Schwächen: Managementstudenten können lediglich im Kopf durchspielen, wie sie ein bestimmtes Problem angehen würden, während Medizinstudenten mit echten Krankheitsfällen konfrontiert sind.

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