Abbildungen + Diagramme
Einzelabbildung
Anzahl Seiten: 8
Anzahl Zeichen: 30.271
Anzahl Worte: 3.245
Preis: 6,00 €
Von Heerad Sabeti
Ein neues Zeitalter bricht an. Gewinnorientierte Unternehmen widmen sich sozialen und ökologischen Themen, Wohltätigkeitsorganisationen entwickeln nachhaltige Geschäftsmodelle, und Regierungen führen marktbasierte Dienstleistungsansätze ein. Herkömmliche Grenzen zwischen den einzelnen Modellen verwischen. Unternehmer, denen soziale Belange am Herzen liegen, fördern die Entwicklung eines neuen Geschäftsmodells.
Wenn diese Unternehmer eine Firma gründen, um ihre Ideen umzusetzen, stehen sie oft vor einer schweren und scheinbar nach eigenem Gutdünken zu beantwortenden Frage: Sollen sie ein gewinnorientiertes Unternehmen oder eine gemeinnützige Organisation gründen? Für manche Leser mag der Unterschied zwischen diesen beiden Modellen völlig einleuchtend sein, doch immer mehr Unternehmer tun sich schwer mit dieser strikten Trennung. In welche Kategorie würden Sie zum Beispiel den kommerziellen Carsharing-Anbieter I-GO in Chicago einordnen, dessen Struktur einer wohltätigen Organisation entspricht? Und wie definieren Sie die chinesische Online-Plattform Qifang, über die Kinder aus einkommensschwachen Familien ein Darlehen für ihre Ausbildung erhalten können und die die Struktur eines gewinnorientierten Unternehmens hat?
Keines dieser Unternehmen ist eine rein gewinnorientierte oder rein gemeinnützige Organisation. Man könnte beide als "wohltätige Unternehmen" (Englisch: "For-Benefit-Enterprise") bezeichnen. Diesen Begriff verwenden Unternehmer zunehmend, um Organisationen zu beschreiben, die Einnahmen erzielen, deren oberste Priorität allerdings ausdrücklich ein soziales Engagement ist. Dieser hybride Ansatz ist bereits in zahlreichen Branchen zu finden. Die Palette des zugrunde liegenden sozialen Engagements ist breit: das Bekämpfen von Obdachlosigkeit und Drogensucht, die Reduzierung der Todesfälle durch Malaria, die Förderung erneuerbarer Energien.
Es gäbe noch viel mehr solcher Firmen, wenn die Gründer als offizielle Rechtsform das "wohltätige Unternehmen" hätten wählen können. In den meisten Ländern sind rechtlich entweder gewinnorientierte Unternehmen oder gemeinnützige Organisationen erlaubt und keine Mischform. Letztlich integrieren viele Unternehmer mit sozialer Verantwortung ihre Vision entweder in die eine oder andere Organisationsstruktur und akzeptieren dabei schmerzliche Kompromisse.
Doch das wird sich ändern. Wohltätige Unternehmen werden immer alltäglicher. Ihre Gründer werden lernen, bestehenden Zwängen besser auszuweichen, und es wird immer mehr Hilfe bei der Umsetzung geben, auch in der Politik, auf den Finanzmärkten, im Steuerrecht und im Dienstleistungsbereich. Wenn das wohltätige Unternehmen formale Strukturen angenommen hat, wird etwas noch Bedeutenderes passieren. Es wird sich ein vierter Wirtschaftssektor herausbilden, der zwar gemeinsam mit der öffentlichen Hand, Wohltätigkeitsorganisationen und gewinnorientierten Unternehmen handelt, aber dennoch eigenständig bleibt. Dieser vierte Wirtschaftssektor besitzt die Kraft, den Kapitalismus zu verändern.