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Jens-Uwe Meyer

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Umfrage

Kreativität nach Vorschrift

Von Jens-Uwe Meyer

Werden moderne Methoden für die Ideenentwicklung auch angewandt? Eine Studie zeigt, dass wahrhaft innovative Unternehmen in Deutschland rar sind. Die Mehrheit setzt auf klassisches Abarbeiten von Prozessen. Von Jens-Uwe Meyer

Nur in jedem dritten Unternehmen gehört Innovation wirklich zum Alltagsgeschäft. Die restlichen zwei Drittel belassen es bei Ankündigungen oder gehen Innovationen halbherzig nach. Diese ernüchternde Erkenntnis ergab eine Befragung von 194 Ideen- und Innovationsmanagern, Verantwortlichen aus den Bereichen Business Development und Produktentwicklung sowie Vorständen und Geschäftsführern deutscher Unternehmen. Wir wollten wissen, ob die seit Jahren empfohlenen Innovationsmethoden wie etwa Experimente wagen, Fehler zulassen oder eigenverantwortliche Teams bilden in den Unternehmen auch angewandt werden.

Um praxisrelevante Antworten zu erhalten, haben wir den Teilnehmerkreis stark eingeschränkt: Die Unternehmen mussten sich aktiv mit dem Thema Innovation befassen und dafür Ressourcen bereitstellen, um teilnehmen zu können. Grundlage des Fragebogens war das KEYS-Modell von Harvard-Business-School-Professorin Teresa Amabile, erweitert und ergänzt um Kriterien aus rund 50 internationalen Studien, die zwischen 1996 und 2010 durchgeführt wurden.

Wer Produktneuerungen verfolgt, stellt schnell fest: Nicht jedes Unternehmen ist innovativ, und nur wenige zeichnen sich durch überraschende Neuheiten aus. Unsere Befragung zeigt: Immerhin die Hälfte der untersuchten Firmen hat eine sehr konkrete Vorstellung davon, wie innovativ sie sein müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die andere Hälfte aber weiß nicht genau, was sie von Innovationen überhaupt zu erwarten hat. Entsprechend halbherzig gehen die Mitarbeiter dort das Thema an.

Die Macherkultur eingefleischter Innovationsunternehmen, also ein Umfeld, das kreativen Köpfen zwar Ziele und Rahmenbedingungen vorgibt, sie aber ansonsten machen lässt, existiert in nicht einmal jedem sechsten Unternehmen. In drei von vier Betrieben wird Innovation nur gefördert, solange sie nichts kostet. Und schnelles Wagniskapital für überzeugende Ideen - seien es auch nur geringe Summen - stellt lediglich jedes vierte Unternehmen zur Verfügung. Zu allem Überfluss lähmen sich mehr als 80 Prozent durch lange Entscheidungswege selbst.

In den meisten Unternehmen ist das Erfinden neuer Produkte streng durch entsprechende Prozesse geregelt. Bei 83 Prozent der Befragten ist der Regelbruch - selbst im begründeten Ausnahmefall - nur sehr eingeschränkt möglich. Und 35 Prozent stimmten der Aussage, dass Regeln und Vorschriften genau eingehalten werden müssen, voll und ganz beziehungsweise größtenteils zu. Regeln dominieren dort so sehr, dass man von "Kreativität nach Vorschrift" sprechen kann. Kreative Mitarbeiter genießen einen geringen Stellenwert: Nur in 28 Prozent aller Unternehmen sind Kreativität und kreatives Denken hoch angesehen. Echte Querdenker einzustellen, das trauen sich nur 24 Prozent.

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