WERK UND WIRKUNG
ANHÄNGER UND FREUNDE
ZIELE UND VISIONEN
STEFANIE BILEN
Anzahl Seiten: 2
Anzahl Zeichen: 7.629
Anzahl Worte: 964
Preis: 6,00 €
Von Stefanie Bilen
WERK UND WIRKUNG
Seinen dunklen Anzug soll Coimbatore Krishnarao Prahalad nur zu Familienfeiern abgelegt haben: Der gebürtige Inder wirkte gesetzt, mit der Aura eines gutmütigen Onkels, wie es ein Reporter einmal formulierte. Er sprach langsam und mit sanfter Stimme. Hinter seinem gediegenen Äußeren verbarg sich allerdings ein äußerst lebendiger und ungewöhnlicher Geist. Der Professor, der im April 2010 im Alter von 68 Jahren starb, galt als kreativster Managementvordenker seiner Generation. Das US-Magazin "Economist" bescheinigte ihm, dass er gleich zwei große Themen revolutioniert hat: die Unternehmensstrategie sowie die Wirtschaftsentwicklung in Schwellenländern. Zudem leistete Prahalad einen signifikanten Beitrag zu einem dritten Bereich, dem Innovationsmanagement. Zu seinen Fans gehörten die Chefs von Weltkonzernen wie auch die Leiter von Nichtregierungsorganisationen und die Gründer winziger Start-ups.
KLARER KUNDENNUTZEN Die breite Anerkennung seiner Kollegen erfuhr er mit der Veröffentlichung zweier Beiträge in der "Harvard Business Review": Mit "Strategic Intent" unterstrich er 1989 die Notwendigkeit der strategischen Ausrichtung eines Unternehmens, im Jahr darauf veröffentlichte er seine Untersuchungen zu den Kernkompetenzen ("The Core Competence of the Corporation", deutsch: "Nur Kernkompetenzen sichern das Überleben"). An den Beispielen Sony und Toyota zeigte er, dass Unternehmen sich auf das konzentrieren sollten, was der Kern ihres Geschäfts ist. Nur dieser versetzt sie in die Lage, einen klaren Kundennutzen zu liefern. Jede Abweichung bedeutet eine Schwächung der Kräfte.
Mit dem Bestseller "Competing for the Future" ("Wettlauf um die Zukunft") stellte Prahalad seine Idee Mitte der 90er Jahre umfassend vor. Alle Werke veröffentlichte er zusammen mit seinem ehemaligen Studenten Gary Hamel. Beiden gelang damit der Sprung in die Elite der hoch bezahlten Redner und Berater.
SCHWER KOPIERBAR Das Konzept der Kernkompetenz leitete einen Paradigmenwechsel ein: Bis in die frühen 80er Jahre setzten viele Manager auf Risikostreuung und Diversifikation. Der Autobauer Volkswagen übernahm etwa den Büromaschinenhersteller Triumph-Adler - ehemals eine Perle der deutschen Datenverarbeitung, aber ohne jegliche Verbindung zum Autogeschäft. Auch VWs Stuttgarter Konkurrent Daimler-Benz versuchte sich in einer fremden Branche und kaufte 1985 AEG, um einen integrierten Technologiekonzern zu schmieden. Beide Versuche scheiterten bekanntlich, wie unzählige andere auch.