K(C)oopération
Ungewohnte Hierarchien
Kriterien mit Spielraum
Fazit
MARION FESTING
LENA KNAPPERT
© 2010 Harvard Business Manager
Produktnummer 201006048, siehe Seite 104
Anzahl Seiten: 3
Anzahl Zeichen: 11.227
Anzahl Worte: 1.389
Preis: 4,00 €
Von Marion Festing und Lena Knappert
Als Simone Bauer das Angebot erhielt, ein Team zur Unterstützung der Marketingabteilung ihres Arbeitgebers in der chemischen Industrie am Standort Paris aufzubauen, überlegte sie nicht lange. Fachlich war der Job eine Herausforderung - darauf war sie vorbereitet. Die vom deutschen Mutterkonzern weltweit standardisierten Prozesse und Praktiken waren der Managerin bestens vertraut. Letztlich würde sie vom Düsseldorfer Headquarter nicht an das andere Ende der Welt entsandt, sondern nur einige hundert Kilometer weiter.
Ein gutes Jahr später ist von dieser Euphorie nicht mehr viel übrig. Simone Bauer kommt mit ihren Projekten nur schleppend voran. Sie hat das Gefühl, ihre französischen Teamkollegen sind unzuverlässig und wollen nicht mit ihr kooperieren. Auch das Verhältnis zu ihrem französischen Vorgesetzten ist konfliktreich, und ih-re erste Beurteilung in Frankreich verlief katastrophal. Die Art und Weise, in der ihr Chef ihre Leistungen begutachtete, war Simone Bauer fremd. Die Ergebnisse, die sie trotz des schwierigen Marktumfelds erzielt hatte, spielten offenbar kaum eine Rolle. Stattdessen gab Bauers Vorgesetzter ihr zu verstehen, dass er von ihr mehr Respekt ihm gegenüber erwarte.
K(C)oopération
Die Nachbarländer Deutschland und Frankreich sind geografisch, geschichtlich sowie wirtschaftlich eng verwoben. Erst auf den zweiten Blick offenbaren sich beträchtliche kulturelle Unterschiede. Ein Sinnbild da-für, wie gleich und doch verschieden Deutsche und Franzosen arbeiten, ist ein Begriff aus der Geschäftswelt, der in beiden Ländern ähnlich klingt: "Kooperation" steht im Deutschen als Synonym für Zusammenarbeit oder gemeinsame Arbeit. Die französische Vokabel "Coopération" meint dagegen die Mitwirkung, den individuellen Beitrag Einzelner.
Eine geschärfte Sensibilität für sprachliche Besonderheiten kann sicherlich helfen, Missverständnisse im zwischenmenschlichen Bereich zu vermeiden. Doch was, wenn man den französischen Kollegen sprachlich durchaus richtig versteht und in der Zusammenarbeit dennoch Missdeutungen und Schwierigkeiten auftreten?