Mythos 1: Der Islam prägt den Geschäftsalltag
Mythos 3: Türkische Partner sind unorganisiert
Fazit
ISINAY KEMMLER
© 2010 Harvard Business Manager
Produktnummer 201005020, siehe Seite 104
Anzahl Seiten: 3
Anzahl Zeichen: 11.500
Anzahl Worte: 1.552
Preis: 4,00 €
Von Isinay Kemmler
Ein Großunternehmen in Istanbul hatte für eine Due-Diligence-Prüfung im Zuge einer Übernahme einen türkischstämmigen Berater aus Deutschland engagiert. Er sollte ein Team leiten, das aus jeweils fünf jungen Rechtsanwälten und Wirtschaftsprüfern bestand. Gemeinsame Geschäftsessen waren eine wichtige Plattform, um über Schwierigkeiten bei der Prüfung zu sprechen. Nach kurzer Zeit bemerkte das Istanbuler Team, dass der Manager aus Deutschland von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang keinen Bissen zu sich nahm und keinen Schluck Wasser trank.
Ausgerechnet der Deutsch-Türke hielt sich an die Fastenregeln im Ramadan. Das ist kein Einzelfall. In Fragen der Religion sind die deutschstämmigen Türken häufig konservativer als Einheimische in der Türkei. Das Bild dieser Türken haben deutsche Expatriates aber vor Augen, wenn sie in die Türkei gehen.
Die Türkei ist für viele deutsche Unternehmen die Brücke, wenn sie einen Markteintritt im Nahen und Mittleren Osten wagen wollen. In zahlreichen Gesprächen und Beratungsprojekten habe ich festgestellt, dass in Deutschland gewisse Mythen über türkische Geschäftspartner existieren, die sich hartnäckig in den Köpfen halten. Die drei wichtigsten will ich im Folgenden vorstellen.
Mythos 1: Der Islam prägt den Geschäftsalltag
Auf dem heiklen Feld der Religion vermuten deutsche Manager die größten kulturellen Unterschiede. Einer der schwerwiegendsten Fehler ist es, die Türkei als islamischen Staat zu verstehen und das auch noch offen zu äußern, wie es einem bekennenden Türkei-Kenner in einem Vortrag in Frankfurt passierte. Obwohl seine Rede voller Liebeserklärungen an die türkische Mentalität und an das Land war, reichte diese eine Bemerkung, um einige Türken im Saal zu verärgern. Nach Überzeugung des Staatsgründers Kemal Atatürk war die Trennung von Staat und Religion unabdingbar, um das Land politisch und rechtlich zu modernisieren. Damit machte er das Prinzip des Laizismus zu einem Grundpfeiler der neuen türkischen Republik.