RSS Montag, 21. Mai 2012

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Warum Öffentlichkeit effizient macht

Wie Nokia mit Bewertungen experimentiert

Was Demokratie im Unternehmen bringt

MICHAEL LEITL

ist Redakteur des Harvard Business Managers.

© 2010 Harvard Business Manager

Produktnummer 201005006, siehe Seite 104

Anzahl Seiten: 3
Anzahl Zeichen: 11.382
Anzahl Worte: 1.493
Preis: 4,00 €

Leadership

Noten für das Management

Von Michael Leitl

Die öffentliche Bewertung von Führungskräften gilt in den meisten Unternehmen als tabu. Doch immer mehr Firmen experimentieren mit interner Transparenz - mit erstaunlichen Ergebnissen.

Stellen Sie sich vor, Sie führen ein Unternehmen mit über 50 000 Mitarbeitern - und jeder kann die Ergebnisse Ihres 360-Grad-Feedbacks lesen. Total verrückt? Vineet Nayar, CEO des indischen IT-Dienstleisters HCL Technologies, pflegt diese Transparenz seit 2006 mit Erfolg. Er und seine 3800 Manager lassen sich kontinuierlich öffentlich von ihren Mit- arbeitern bewerten und nutzen dieses Werkzeug, um besser führen zu lernen. Der Vorteil: Schlechte Manager können sich nicht mehr verstecken, mit ihren vorhandenen Stärken aber an anderer Stelle im Unternehmen neue Erfolge feiern. Andere lernen, besser zu führen. Und die Position vieler Mitarbeiter wird gestärkt, weil sie sehen, dass ihre Chefs auch nur mit Wasser kochen.

Nayar hat sich bei seinem Führungskonzept von seinen mit dem sozialen Netzwerk Facebook aufgewachsenen Kindern inspirieren lassen. Sein Beispiel zeigt, wie sich in manchen Unternehmen die Auffassung von Führung zu ändern beginnt. Der Inder sieht die Zeit des Managementstils "Command and Control", also Befehl und Kontrolle, als beendet an. Diese Philosophie sei in einer Armee richtig, in Dienstleistungsunternehmen aber vollkommen fehl am Platz.

Das Beispiel des indischen CEOs zeigt, wie anders Unternehmen funktionieren könnten - und vermutlich in Zukunft auch funktionieren werden, sobald sich Transparenz als Wettbewerbsvorteil erweist. Viele Unternehmen experimentieren bereits mit neuen Führungsmethoden. So waren bei Vineet Nayar schon etliche Vertreter anderer Konzerne zu Gast, um von seinen Erfahrungen zu profitieren.

Unterstützt wird dieser Wandel hin zu einer anderen Führungskultur durch die Selbstverständlichkeit, mit der wir Computer und internetbasierte Dienstleistungen nutzen. So zeugt die Art und Weise, wie Menschen sich in sozialen Netzwerken organisieren, von einem selbstbewussteren Umgang mit dem eigenen Wert und Wissen: Sie dokumentieren ihre Vita bei Online-Plattformen wie LinkedIn oder Xing, schreiben über ihre privaten oder beruflichen Interessen Artikel in Blogs (und diskutieren diese mit ihren Kritikern), veröffentlichen ihre Kalender, damit ihre Kontaktpersonen wissen, wo sie sich gerade aufhalten. Kurz: Wer was kann und gerade macht, ist heute häufig bereits im Internet dokumentiert.

Parallel lässt sich eine weitere Veränderung beobachten: die immer selbstverständlicher werdende Bewertung von Produkten und Dienstleistungen. Im Internet beurteilen Kunden Produkte und Händler; Schüler benoten ihre Lehrer, Patienten bewerten ihre Ärzte und Mitarbeiter ihre Arbeitgeber.

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