RSS Dienstag, 18. Juni 2013

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Ein Fehler in der Argumentation

Kunden an die Macht!

Das Konzept in der Praxis

Fazit

ROGER MARTIN

© 2010 Harvard Business School Publishing

Produktnummer 201003076, siehe Seite 112

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Wertemanagement I

Das Zeitalter des Kundenkapitalismus

Von Roger Martin

Mehr als 30 Jahre lang haben börsennotierte Unternehmen dem Shareholder-Value gehuldigt. Jetzt bricht eine neue Ära an, in der die Kunden an erster Stelle stehen - und darauf können sich auch die Aktionäre freuen.

Der moderne Kapitalismus lässt sich in zwei große Epochen unterteilen: Die erste, der Managerkapitalismus, begann 1932. Zu der Zeit setzte sich die Auffassung durch, dass Unternehmen von professionellen Managern geführt werden sollten - für die damalige Zeit eine revolutionäre Idee. 1976 begann mit der zunehmenden Fokussierung auf die Aktionäre die zweite große Epoche, der Shareholder-Value-Kapitalismus. Dessen Leitgedanke besagt, dass der Daseinszweck jedes börsennotierten Unternehmens darin bestehen müsse, das Vermögen der Aktionäre ("Shareholder") zu maximieren. Verfolgt ein Unternehmen dieses Ziel, so die Theorie, profitierten Investoren und Gesellschaft gleichermaßen. Leider ist dies ein tragischer Irrtum. Es ist an der Zeit, damit aufzuräumen und sich auf die dritte Ära vorzubereiten: das Zeitalter des Kundenkapitalismus.

Die ersten beiden Epochen wurden von zwei einflussreichen wissenschaftlichen Arbeiten eingeläutet: 1932 veröffentlichten Adolf A. Berle und Gardiner C. Means ihr legendäres Buch "The Modern Corporation and Private Property". Darin propagierten sie die Trennung von Management und Unternehmenseigentum. Von diesem Zeitpunkt an dominierten in der Wirtschaft nicht mehr die Rockefellers, Mellons, Carnegies und Morgans dieser Welt, die Eigentümer und CEO in einem waren. Für die Führung von Unternehmen holte man sich von nun an Personal. So entstand eine neue Gattung von professionellen Unternehmenschefs. Diese Entwicklung müsse man keineswegs fürchten, erklärten Berle und Means; sie sei Teil einer neuen Ära wirtschaftlichen Wachstums (das allerdings aufgrund der Weltwirtschaftskrise erst ein paar Jahre später in Fahrt kam).

Zwar gab es nach wie vor Eigentümer, die ihr Unternehmen selbst führten, aber die Regel war künftig der professionelle, angestellte Firmenchef. Unternehmer durften herzlich gern weiterhin Firmen gründen, waren jedoch klug beraten, wenn sie die Führung ab einer gewissen Größe besser den Profis überließen, die zuverlässiger und weniger sprunghaft agierten.

Das Ende des Managerkapitalismus läuteten dann 1976 Michael C. Jensen und William H. Meckling mit ihrem Beitrag "Theory of the Firm: Managerial Behavior, Agency Costs and Ownership Structure" ein, der zum meistzitierten Wirtschaftsartikel aller Zeiten wurde. In der Abhandlung, die im "Journal of Financial Economics" erschien, kritisierten Jensen und Meckling, dass professionelle Manager den Eigentümern ihres Unternehmens kaum Beachtung schenkten und nur auf den eigenen Profit bedacht seien statt auf den der Aktionäre. Dies schade nicht nur den Investoren, sondern auch der Volkswirtschaft insgesamt, beklagten die Autoren. Manager verschwendeten die Ressourcen der Unternehmen und der Gesellschaft, um ihre eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen.

Mit dieser Kritik leiteten Jensen und Meckling die aktuelle Ära des Shareholder-Value-Kapitalismus ein. CEOs erkannten schnell, dass sie sich zur "Maximierung des Shareholder-Value" bekennen mussten. Und die Führungsgremien der Unter-nehmen sahen es schon bald als ihre Aufgabe an, die Interessen der Topmanager mit denen der Aktionäre in Einklang zu bringen, indem sie aktienbasierte Vergütungsmodelle einführten. Die schlechte Behandlung der Eigentümer sollte ein Ende haben; von nun an lautete die Losung: Der Aktionär ist König.

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