RSS Sonntag, 26. Mai 2013

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Im Hexenkessel

Vielarmiger Krake

Zweifel über Zweifel

© 2010 Harvard Business Manager

Produktnummer 201003038, siehe Seite 112

Anzahl Seiten: 10
Anzahl Zeichen: 33.628
Anzahl Worte: 4.650
Preis: 6,00 €

Fallstudie

Ist der Job eine Nummer zu groß?

Von Cornelia Geißler

Daniel Sestak wird schneller Unternehmenschef, als sein Führungsteam und er selbst erwartet haben. Konflikte mit Kollegen, eine unsichere Finanzlage und Forderungen seiner Mitarbeiter setzen ihm zu. Ist es sinnvoll, sich durchzubeißen, oder soll er das Handtuch werfen?

Daniel Sestak warf einen Blick auf den Zeitungsartikel, dessen Überschrift er eben gelesen hatte, und merkte, wie sich seine Kopfschmerzen verschlimmerten. "Nach dem plötzlichen Weggang von NutriSelect-Chef Michael Botolph stellt sich die Frage, ob sein Nachfolger das Zeug hat, das Unternehmen zu führen", war dort zu lesen. "Insider argwöhnen, dass der neue CEO, der 43-jährige Daniel Sestak, nicht über genügend visionäre Kraft und Erfahrung verfügt, um eine zukunftsträchtige Strategie zu entwickeln." Im weiteren Verlauf ging der Artikel detailliert auf die finanzielle Lage des Unternehmens ein, die sich als deutlich unsicherer erwies, als es bislang den Anschein erweckt hatte.

Irgendjemand bei NutriSelect hatte sich offensichtlich entschlossen, schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit zu waschen, anstatt sich direkt an Sestak zu wenden. Eine Intrige hatte ihm gerade noch gefehlt. Ein derart feiges Vorgehen schadete seiner Meinung nach auf lange Sicht der Firma.

Sestak war relativ unverhofft im Chefsessel von NutriSelect gelandet. Mit seinem hervorragenden Studienabschluss war es seinerzeit kein Problem gewesen, einen Einstiegsjob zu bekommen. Der Lebensmittelkonzern NutriSelect stellte Frühstücksflocken, Desserts und Tiefkühlprodukte her, hier vor allem kleine Mahlzeiten für Single-Haushalte. Als Sestak dort anfing, galt die Lebensmittelbranche als deutlich weniger vornehm als die Autoschmieden oder die Strategieberatungen, in die es viele seiner Kommilitonen verschlagen hatte. Sestak störte das nicht. Er hatte erkannt, dass der Branche interessante Veränderungen bevorstanden. Das Gesundheitsbewusstsein der Zielgruppe von NutriSelect gewann an Bedeutung. Es gab inzwischen sogar eine Verbraucherorganisation, die sich nur mit Lebensmittelqualität auseinandersetzte und die einen Skandal nach dem anderen aufdeckte.

Bei NutriSelect war Sestak schnell aufgestiegen - er war in den High-Potential-Kreis berufen worden und hatte nacheinander Positionen in den Bereichen Strategie, globales Marketing und Produktmanagement bekleidet.

Sestak setzte sich viel mit den Trends in der Nahrungsmittelindustrie auseinander. So war ihm klar geworden, dass das Unternehmen die Marktführerschaft erlangen konnte, wenn es sich als seriöser Anbieter für Bioprodukte etablierte. Innerhalb von vier Jahren hatte Sestak die Biosparte des Unternehmens vom Nischenbereich zu einer äußerst profitablen Division weiterentwickelt. Diesem Erfolg war es zu verdanken, dass der Aufsichtsrat vor ziemlich genau sechs Monaten besprochen hatte, ihn schrittweise auf die Nachfolge von Michael Botolph vorzubereiten. Der vertrauliche Plan des Aufsichtsrats hatte vorgesehen, dass Sestak von Botolph während eines zweijährigen Übergangszeitraums an die Aufgaben herangeführt werden sollte. So hätte Sestak mehr als genug Zeit gehabt, im Windschatten von Botolph in die Aufgabe hineinzuwachsen, das Vertrauen der Mitarbeiter und des Aufsichtsrats zu gewinnen.

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