Hochfliegende Pläne
Die ideale Kandidatin
Sie ist nicht sein Typ
In der Sackgasse
© 2009 Harvard Business School Publishing
Produktnummer 201002094, siehe Seite 112
Anzahl Seiten: 9
Anzahl Zeichen: 33.215
Anzahl Worte: 4.520
Preis: 4,00 €
Von Bronwyn Fryer
Anette Jaming und Geoff Simon beobachteten grimmig, wie zwei Sicherheitsleute Peter Cruikshank, den CEO des Versicherungsunternehmens Scotia Assurance, durch die Glastüren der palastartigen Lobby der Zentrale abführten. Es war ein bitterer Sonntagmorgen - nicht nur wegen des kalten Novemberregens, sondern auch, weil Cruikshank eine Untersuchung wegen Betrugs bevorstand.
Ein sehr schlechtes Jahr ging für das Unternehmen zu Ende. Scotia Assurance war schon 150 Jahre am Markt, seit Ende der 90er Jahre arbeitete Anette Jaming als Personalchefin der Gruppe. Der in Manchester angesiedelte internationale Finanzdienstleister verkaufte Lebens-, Renten- und Sachversicherungen und war im Rückversicherungsgeschäft tätig. Als die internen Wirtschaftsprüfer begannen, die Finanzen des Unternehmens durchzusehen, hatte es bereits finanzielle Einbußen infolge seiner Investitionen in den US-Subprime-Immobilienmarkt erlitten. Die Prüfer stellten fest, dass Verbindlichkeiten in Höhe von rund 500 Millionen Pfund in früheren Berichtsperioden entweder falsch verbucht oder nicht korrekt übertragen worden waren. Das Unternehmen würde die Ergebnisse für das laufende Geschäftsjahr neu darlegen müssen; ebenso für die Jahre 2006, 2007 und 2008. Man hatte Cruikshank und seinem designierten Nachfolger, dem Finanzchef, nahegelegt, zurückzutreten. Die britische Finanzaufsicht Financial Services Authority hatte eine Untersuchung eingeleitet.
"Gott sei Dank sind die Spürhunde der Presse momentan mit anderen Dingen beschäftigt", meinte Simon. "Zumindest kann er ohne großes Aufsehen verschwinden."
Anette Jaming warf dem Chief Operating Officer einen Blick zu, sagte jedoch nichts. Sie war Cruikshank gegenüber schon seit einiger Zeit misstrauisch gewesen und war persönlich erleichtert, ihn nun gehen zu sehen. Ihre Sorge war jetzt, dass andere Mitarbeiter - möglicherweise sogar der Mann, der neben ihr stand - ebenfalls in den Skandal verwickelt sein könnten.
"Zum Glück haben wir die Nachfolgeplanung angestoßen, bevor diese furchtbare Sache passiert ist", begann sie. "Doch es enttäuscht mich, dass dies hier schon so früh geschehen ist. Ich bin mir nicht sicher, ob wir bereits jemanden in der Pipeline haben, der die Position des Unternehmenschefs einnehmen kann."