Wie definiert ein Dirigent diese Begriffe?
Und wer hat in einem Orchester das letzte Wort?
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Von Britta Domke
Herr Gansch, was nehmen Sie wahr, wenn Sie als Dirigent vor einem Orchester stehen?
GANSCH Ich spüre, welche Instrumentengruppe wach und lebendig ist und welche gerade mit sich selbst beschäftigt ist. Ich nehme wahr, wenn das Orchester oder einzelne Musiker nicht verstehen, welche Idee mich treibt, welches musikalische Konzept mir vorschwebt. 90 Prozent der Kommunikation im Orchester läuft über Blicke. Bemerke ich, dass die Mitglieder einer Instrumentengruppe nicht verstehen, was ich will, muss ich mich ihnen sofort widmen. Je wahrnehmungsfähiger ich bin, desto reibungsloser läuft die Interaktion zwischen mir und dem Orchester ab.
In Ihren Seminaren bringen Sie Führungskräften bei, ihre Umwelt ebenso sensibel wahrzunehmen wie ein Dirigent oder Orchestermusiker. Überfordern Sie die Manager damit nicht?
GANSCH Nein, weil es nicht um Belehrung geht, sondern um Inspiration. Workshops, die nur belehren wollen, sind sinnlos. Inspiration dagegen heißt, Bilder aus anderen Lebensbereichen anzubieten, einen interaktiven und spielerischen Perspektivwechsel vorzunehmen. Das macht Lust, sich selbst Gedanken zu machen und das strategische Wissen über Managementtechniken oder Veränderungsprozesse ins Bauchgefühl zu kriegen. Das ist ein bisschen wie in Konzerten, bei denen das Publikum nicht sofort applaudiert, sondern noch einige Sekunden still dasitzt. Das heißt nicht, dass das Konzert fad war. Es heißt, dass die Zuhörer berührt, inspiriert sind - genau das ist mein Ziel.
Warum ist Wahrnehmungsfähigkeit für Führungskräfte wichtig?