Gemeinschaften in Aktion
Nicht mehr Führung als nötig
Von der Mitte nach außen
Grundlagen schaffen
Reste von Gemeinschaftsgefühl
Eine vertrauensbildende Atmosphäre
Eine solide Unternehmenskultur
Führung in der Mitte
Gemeinschaft entwickeln
Fazit
Anzahl Seiten: 7
Anzahl Zeichen: 24.307
Anzahl Worte: 3.185
Preis: 4,00 €
Von Henry Mintzberg
Hinter der aktuellen Wirtschaftskrise verbirgt sich eine weitere Krise von noch größerem Ausmaß: der Verlust des Gemeinschaftssinns in Unternehmen. Immer seltener fühlen sich die Mitarbeiter etwas Größerem zugehörig und setzen sich dafür ein. Durch ein Management, das insbesondere in den Vereinigten Staaten jahrzehntelang auf kurzfristige Gewinne ausgerichtet war, wurde der Position des CEOs ein übertrieben hoher Stellenwert zugewiesen, während andere Beschäftigte im Unternehmen zu austauschbaren Figuren herabgewürdigt wurden - zu Humanressourcen, die jederzeit bei Einbruch des Aktienkurses "abgebaut" werden konnten. Die Folge dieser Einstellung waren unüberlegte, leichtfertige Verhaltensweisen, die letztlich die Weltwirtschaft zu Fall brachten.
Doch nun ist es mit staatlichen Konjunkturprogrammen und der Rettung der größten und am härtesten betroffenen Konzerne allein nicht getan. Unternehmen müssen ihre Mitarbeiter wieder für sich einnehmen. Sowohl in der Unternehmens- als auch in der Personalführung ist ein Umdenken erforderlich.
Das Subprime-Hypothekenproblem ist hierfür das beste Beispiel. Wie konnte es überhaupt erst entstehen? Und weshalb konnte es auf so viele erstklassige Finanzinstitute übergreifen? Die Antworten scheinen auf der Hand zu liegen. Jene, die diese Hypotheken anpriesen, wollten dadurch möglichst schnell die Umsätze in die Höhe treiben, um selbst möglichst hohe Prämien zu kassieren - ohne Rücksicht auf die Konsequenzen. Und die Finanzinstitute, die die Hypotheken erwarben, unterstanden keinem vernünftigen Management. Viele ihrer Manager hatten sich einen mittlerweile in den USA weitverbreiteten Führungsstil angeeignet: Sie saßen in ihren Büros und verkündeten die Ziele, die andere in ihrem Namen erreichen sollten, anstatt selbst aktiv zu werden und zur Verbesserung der Unternehmensleistung beizutragen. Die Manager wussten nicht, was vor sich ging, und die Mitarbeiter kümmerten sich nicht darum. Welch ein grandioses Versagen des Managements.
Dieses Versagen war überall in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Sektor zu beobachten, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Heute herrscht vielerorts die Überzeugung vor, dass Führung, im Sinne von Leadership, nicht nur losgelöst von Management zu betrachten sei, sondern dass sie auch etwas Höheres sei als Management. Diese Sichtweise hat jedoch lediglich zur Folge, dass Menschen in Führungspositionen isoliert werden, wodurch wiederum der Gemeinschaftssinn im Unternehmen untergraben wird.
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