Respekt vor Regeln
Ethik für Waffenhersteller
Ratschläge für Banker
1. Ehrlichkeit
2. Nachhaltigkeit
3. Geduld
4. Maßhalten
5. Selbstverantwortung
Ehre statt Erfolg
Hartwig von Schubert
© 2009 Harvard Businessmanager
Produktnummer 200908104, siehe Seite 112
Anzahl Seiten: 4
Anzahl Zeichen: 15.979
Anzahl Worte: 2.125
Preis: 4,00 €
Von Hartwig von Schubert
Weithin anerkannte ökonomische Lehren und Gewohnheiten haben die Welt in eine Rezession gestürzt, deren Ausmaße noch bis vor Kurzem unvorstellbar waren. Pauschale Schuldzuweisungen an einzelne Gruppen und Theorien allerdings führen nicht weiter; die Krise verdient differenzierte Analysen. Die Heilung wird sich nicht auf Symptome beschränken können, sondern muss an die Wurzeln gehen und nach dem zivilisatorischen Sinn mensch-lichen Wirtschaftens fragen: Was sind die ethischen Grundprinzipien gesellschaftlichen Zusammenlebens? An welchen Tugenden sollte sich ein ehr-barer Kaufmann orientieren? Doch es wird sich nur wenig ändern, wenn Führungskräfte weiter dem Motto folgen "Moral ist gut, solange sie nicht meine Geschäfte stört." Diesen lockeren Umgang vieler Manager mit Wertvorstellungen hat erst kürzlich eine Untersuchung des Instituts für Medien- und Kommunikationsmanagement der Universität St. Gallen bestätigt (siehe Beitrag von Kohtes, Servicekasten Seite 107).
In vielen Unternehmen scheinen die Verantwortlichen der Maxime zu folgen: Sobald die Politik ihre ethischen Überzeugungen in Gesetze gegossen hat, müssen die eigenen Justiziare eigentlich nur die Spielräume dieser Regelungen kreativ nutzen und die Finanzvorstände die Folgen von Rechtsverstößen nur scharf kalkulieren. Die Ethik selbst braucht sie nicht zu interessieren. Wer es etwas anspruchsvoller wünscht, mag zusätzlich den wahrscheinlichen Imageschaden berechnen, der auf einen Bruch mit öffentlichen Moralvorstellungen zu folgen pflegt. Doch auch dann interessiert die Ethik nicht um ihrer selbst willen, sondern nur als möglicher Kostenfaktor.
Warum also sollte ein nüchterner Kaufmann sich ernsthaft ethische Maximen auferlegen?
Aus dem einzigen Grund: Weil er es selbst so will!
Dies ist die klassische Antwort der Moderne: Für den Philosophen Immanuel Kant war der Wille Ursprung einer freien Entscheidung. Deshalb trägt für ihn ausschließlichen der gute Wille das Prädikat gut und allein der böse Wille das Prädikat böse. Alle Talente, Instrumente, Strukturen, Prozesse und Effekte sind nur unter der Voraussetzung als moralisch gut oder schlecht zu qualifizieren, sofern ein freier Wille dahinter steht und nicht etwa eine Laune des Schicksals oder die Abhängigkeit von Neigungen und Trieben.