Vorsicht statt schnellem Kahlschlag
Primat von Strategie und Kultur
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Von Horst Wildemann
Wirklich gut an der derzeitigen Konjunkturkrise ist nur das Tempo, mit dem sie über das Land und die Unternehmen hereingebrochen ist. Denn der neue Abschwung hat alle Hoffnungen auf ein paar faule und fette Jahre zunichte gemacht, die einige Manager nach den vielen Rationalisierungs- und Restrukturierungskampagnen der Vergangenheit gehegt haben mögen. Die Führungskräfte müssen jetzt nahtlos weiter Kosten und Abläufe optimieren. So hat Linde-Chef Wolfgang Reitzle die Atempause nach der Übernahme des Konkurrenten BOC gleich wieder gestrichen: "Jetzt beschleunigen wir unser Programm ,High Performance Organisation' und bringen mehr Schärfe rein."
Nun haben in Deutschland viele Manager ihre Unternehmen in den vergangenen Jahren auf schnelle und möglichst hohe Rendite getrimmt. Quer durch alle Branchen haben sie Lean-Management vor- und rückwärts durchbuchstabiert.
Das allein wird aber kaum ausreichen, um in der gegenwärtigen Krise zu bestehen. Denn jetzt müssen die Führungskräfte nicht nur die Kapazitäten anpassen, sondern gleichzeitig auch neue Marktchancen erkennen. Die Globalisierung hört ja nicht auf, nur weil wir gerade einen Abschwung erleben. Die führenden Köpfe in den Unternehmen müssen noch intensiver als zuvor nach neuen Absatzmärkten suchen, Innovationen fördern und das Management kreativer machen.
Letztlich geht es um die Frage: Kann ein Unternehmen lean und zugleich expansiv sein? Oder noch genauer: Wann gefährdet die Betonung des Lean-Managements die Zukunftsfähigkeit einer Organisation?
Vorsicht statt schnellem Kahlschlag