Würden Manager einen Kodex akzeptieren?
Wie sollten die Standesregeln aussehen?
Würden Standesregeln überhaupt etwas bewirken?
Fazit
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Preis: 6,00 €
Von Rakesh Khurana und Nitin Nohria
In den vergangenen zehn Jahren gab es einen Verfall von Vertrauen und Selbstkontrolle in der Wirtschaft. Manager haben dadurch an Legitimität verloren. Sie können das Vertrauen der Gesellschaft nur dann zurückgewinnen, so unsere Überzeugung, wenn sie sich nicht mehr allein gegenüber den Anteilseignern verantwortlich fühlen. Stattdessen müssen sie begreifen, dass zu ihrer Aufgabe auch ein gesellschaftliches und persönliches Engagement als Hüter einer Institution gehört. Anders ausgedrückt: Es ist an der Zeit, dass Management endlich eine Profession wird.
Für echte Professionen wie zum Beispiel Ärzte gilt ein Verhaltenskodex. Dessen Bedeutung und Konsequenzen werden im Rahmen der Ausbildung den Mitgliedern des entsprechenden Berufsstands vermittelt. Eine Institution, die sich aus angesehenen Vertretern der Profession zusammensetzt, überwacht, ob sich die Mitglieder an den Kodex halten. Mithilfe solcher Verhaltensrichtlinien schließen diese Institutionen einen stillschweigenden sozialen Vertrag mit anderen Mitgliedern der Gesellschaft: Vertraut uns die Selbstüberwachung dieses wichtigen Berufszweigs an. Im Gegenzug sorgen wir dafür, verspricht der Berufsstand, dass unsere Mitglieder euer Vertrauen verdienen. Sie werden nicht nur die nötige Kompetenz besitzen, um die ihnen anvertrauten Aufgaben auszuführen, sondern sich an hohen moralischen Maßstäben orientieren und sich stets integer verhalten.
Unter dem Strich, glauben wir, kann eine Professionalisierung mit einer gut funktionierenden, institutionalisierten Selbstkontrolle Fehlverhalten eindämmen. Denn moralisch einwandfreies Verhalten ist ein wesentliches Identitätsmerkmal der Mitglieder eines Berufsstands - ein Selbstbild, das die meisten zu wahren bestrebt sein werden.
Die Vorstellung von Management als Profession ist keineswegs neu. Die mit großen Erwartungen verbundene Idee kam vor etwa hundert Jahren in den USA auf, als im ganzen Land Universitäten betriebswirtschaftliche Fakultäten (so- genannte Business Schools) gründeten. Die Speerspitze institutioneller Entrepreneure, zu denen sowohl Hochschullehrer als auch aufgeklärte Führungskräfte aus Unternehmen zählten, betrachtete den Aufstieg des Großunternehmens als eine enorme Herausforderung für die bestehende Gesellschaftsordnung. Als Konzerne begannen, Aktien an jedermann zu verkaufen, und dadurch Eigentum und Kontrolle abgaben, forderten unzählige Interessengruppen (Anteilseigner, Arbeitnehmervereinigungen, Regierungsvertreter), Einfluss auf diese mächtigen neuen Firmen nehmen zu können.
Die betriebswirtschaftliche Fakultät galt als Möglichkeit, das Recht eines weiteren Anspruchstellers auf Kontrolle der Aktiengesellschaft zu legitimieren, nämlich das der neuen Berufsgruppe namens Manager. Die Strategie, die Ansprüche der Manager durchzusetzen, bestand darin, ein Bündnis zwischen den Anführern der Business-School-Bewegung und den drei Institutionen zu schmieden, die als Säulen der sogenannten Ära des Progressivismus (eine linksliberale Strömung in den USA am Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts - Anm. d. Red.) galten: Wissenschaft, die freien Berufe und die neue amerikanische Forschungsuniversität. Den führenden Köpfen der Business-School-Bewegung war daran gelegen, dass Konzerne im Interesse der Gesellschaft geführt wurden. Zu diesem Zweck sollte die Managementtätigkeit zu einem echten Beruf werden, mit der entsprechenden Ausbildungsgrundlage, den nötigen Zertifizierungen und einem eigenen Verhaltenskodex.