Bleiben Sie im Mittelpunkt des Unternehmens
Strategie 1: Vertrauen gewinnen
Strategie 2: Einsatz für die Mitarbeiter
Definieren Sie ein gemeinsames Ziel
1. Bessere Lebensbedingungen für andere schaffen
3. Möglichkeiten zur Weiterentwicklung bieten
Fazit
Anzahl Seiten: 12
Anzahl Zeichen: 38.756
Anzahl Worte: 5.010
Preis: 4,00 €
Von Michael Beer, Russell A. Eisenstat, Nathaniel Foote, Tobias Fredberg und Flemming Norrgren
Es gehört zu den wichtigsten Aufgaben eines CEOs, mit der Spannung umzugehen, die zwischen der Leistung des Unternehmens einerseits und den Bedürfnissen der Mitarbeiter andererseits besteht. Unternehmen sind einerseits wirtschaftlich arbeitende Organisationen, deren Überleben und Wachstum davon abhängt, dass sie auf dem gnadenlosen globalen Markt überdurchschnittliche Leistungen erbringen. Auf der anderen Seite sind sie soziale Einrichtungen, die das Leben ihrer Mitarbeiter nachhaltig beeinflussen.
Leider betrachten zu viele Führungskräfte ihre Unternehmen entweder nur durch die eine oder nur durch die andere Brille. So richten viele CEOs, die dem starken Druck der Kapitalmärkte ausgesetzt sind, ihr Augenmerk ausschließlich auf die Aktionäre. Dabei gehen sie mit einer Zielstrebigkeit vor, die ernüchternd auf ihre Mitarbeiter wirkt und es möglicherweise erschwert, langfristig Werte zu schaffen. Das andere Extrem lässt sich bei Unternehmen beobachten, die ihren Markt dominieren oder in geschützten Märkten agieren. Bei ihnen können die Sorge für die Mitarbeiter, die Kultur und das Vermächtnis der Firma leicht in Selbstgefälligkeit, Nabelschau und den Verlust der Wettbewerbsfähigkeit umschlagen.
Doch es gibt auch CEOs, die erfolgreich mit dem Spannungsverhältnis zwischen Leistung und Mensch umgehen, ohne dass eine der beiden Seiten darunter leidet. Sie nutzen erfolgreich die Energie und das Engagement ihrer Mitarbeiter, um einen - möglicherweise schmerzhaften und tief greifenden - Wandel in Gang zu setzen, der jedoch die Grundlagen für künftigen Erfolg legt.
Ein gutes Beispiel dafür ist Tim Solso, CEO des Dieselmotorenherstellers Cummins. Eine seiner ersten Maßnahmen nach seinem Amtsantritt im Jahr 2000 war die Einführung eines weltweiten Programms, mit dem das Leitbild des Unternehmens neu formuliert und dessen Werte bekräftigt werden sollten. Solso war gerade sechs Monate an Bord des hoch verschuldeten Unternehmens, als es von einer Rezession getroffen wurde, die bis ins erste Halbjahr 2003 anhielt. Die Nachfrage in den Kernmärkten der Firma brach um 72 Prozent ein. Solso und sein Team gelangten zu der Überzeugung, dass nur ein radikaler Schnitt das Überleben des Unternehmens sichern konnte: Sie schlossen das Stammwerk von Cummins in Columbus, Indiana, restrukturierten den Geschäftsbereich Lkw-Motoren und kündigten einer erheblichen Anzahl von Mitarbeitern.
Die Entlassung langjähriger Kollegen mitzuerleben ist für Mitarbeiter jedes Unternehmens schwer; das war bei Cummins nicht anders. Da Solso jedoch die Mitarbeiter für die Bedeutung des Leitbilds und der Werte des Unternehmens sensibilisiert hatte, waren sie bereit, Neues zu lernen und die Entwicklung neuer Produkte und Services mitzugestalten - selbst als ihre Kollegen das Unternehmen verlassen mussten. Gemeinsam mit seinem Team mobilisierte Solso die verbliebenen Mitarbeiter, damit sie den strategischen Wandel hin zu Vertrieb und Service unterstützten. Da diese Geschäftsbereiche geringeren Konjunkturschwankungen unterworfen sind, sollte weiterer Personalabbau auf diese Weise vermieden werden.