Von Armin Trost
Wenn Richard Branson, Chef der britischen Firmengruppe Virgin, über sein Unternehmen spricht, spielen schnell die Mitarbeiter eine zentrale Rolle. Branson lässt keine Gelegenheit aus, um klarzumachen, welchen Typ er haben will. Leute, die wie er selbst ticken: schnell begeistert, mit Spaß an der Arbeit und ständig auf der Suche nach neuen Ideen.
Marketingexperten haben für Manager wie Branson den Begriff Brand Champion geprägt. Sie haben sich voll der Marke verschrieben - und wissen um die Bedeutung der Mitarbeiter für die Marke. Die Darstellung als Unternehmen mit seinen zahlreichen Produkten und die Präsentation als interessanter Arbeitgeber verschmelzen bei Virgin. Das ist bei den meisten Unternehmen in Deutschland anders. Zwar ist das Thema Arbeitgebermarke und die immer schwierigere Suche nach guten Mitarbeitern in aller Munde, in der Praxis geschieht jedoch erstaunlich wenig.
Obwohl sich die Dax-30-Unternehmen von den M-Dax-Unternehmen teilweise fundamental unterscheiden, präsentieren sie sich der Öffentlichkeit in der Regel austauschbar, farblos und beliebig. Das lässt sich zum Beispiel an ihren Internetauftritten festmachen. Wer sich als umworbener Einkaufsspezialist, hoch qualifizierter Vertriebsmanager oder Ingenieur nach einem geeigneten Unternehmen umsieht, findet selten Argumente für eine Bewerbung, wie eine Untersuchung von 247 Karriere-Websites der größten und beliebtesten Arbeitgeber in Deutschland an der Hochschule Furtwangen ergab.
Die meisten Unternehmen werben mit tollen Karrierechancen, sind in irgendetwas führend und haben natürlich ein prima Klima. Vom künftigen Mitarbeiter wünschen sich selbstverständlich alle Engagement und Talent.
Ein trauriges Bild. Ein Unternehmen, das da die Sprache und Bedürfnisse des künftigen Mitarbeiters trifft, hat einen klaren Wettbewerbsvorteil.