Rundherum nichts als Wände
Reste von Vorurteilen
Widerstände gegen weibliche Führungskräfte
Probleme mit dem Führungsstil
MARIETTa NIEN-HWA CHENG, DIRIGENTIN
Familiäre Anforderungen
Zwölf Empfehlungen, die wirken
Fazit
Anzahl Seiten: 14
Anzahl Zeichen: 50.880
Anzahl Worte: 6.770
Preis: 4,00 €
Von Linda L. Carli und Alice H. Eagly
Nach einer falschen Diagnose wird selten das richtige Medikament verschrieben. So erklärt sich auch, warum in den Vorstandsetagen der Wirtschaft immer noch so wenige Frauen zu finden sind. Es wird in Lösungen investiert, die zwar mit den besten Absichten konzipiert wurden, aber nicht die gewünschte Wirkung erzielen.
An der Existenz des Problems besteht kein Zweifel. Einerseits haben Frauen in der Arbeitswelt deutliche Fortschritte gemacht, denn mittlerweile sind in den USA mehr als 40 Prozent aller Führungsposten mit Frauen besetzt. Andererseits sind sie im Topmanagement immer noch eine Seltenheit. Nehmen wir einmal die bestbezahlten Manager der "Fortune"-500-Unternehmen, diejenigen mit Titeln wie Chairman, President, CEO oder COO. Nur 6 Prozent sind weiblich. Unter den CEOs sind es sogar nur 2 Prozent, und nur 15 Prozent aller Stellen in den Boards of Directors sind mit Frauen besetzt.
In anderen Industrieländern sieht es ähnlich aus. Betrachtet man die Länder der Europäischen Union, so liegt die Frauenquote im Topmanagement der 50 größten börsennotierten Unternehmen im Durchschnitt bei 11 Prozent, von den Vorstands- und Aufsichtsratschefs stellen sie 4 Prozent. Von den laut "Fortune" 500 größten Unternehmen der Welt haben nur sieben einen weiblichen CEO. Das ist gerade einmal ein Prozent. Woran liegt es, dass einflussreiche Positionen so selten mit Frauen besetzt sind?
1986 lieferten Carol Hymowitz und Timothy Schellhardt vom "Wall Street Journal" der Welt eine Antwort: "Selbst die wenigen Frauen, die kontinuierlich in höhere Positionen aufstiegen, scheiterten letztlich an einem unsichtbaren Hindernis. Das Topmanagement schien in Reichweite, doch es gelang ihnen einfach nicht, die Glasdecke zu durchbrechen." Die Metapher von der gläsernen Decke stieß - nicht zuletzt wegen der Illustrationen, mit denen der Artikel gestaltet war - auf große Resonanz. Sie drückte aus, wie frustrierend es ist, wenn ein Ziel zum Greifen nahe scheint, aber trotzdem unerreichbar bleibt.
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Es gab Zeiten, in denen die Hürden tatsächlich unüberwindlich waren. Noch in den 80er Jahren wurde Frauen der Zugang zu Spitzenpositionen im Management ausdrücklich verwehrt. Man denke nur daran, wie der frühere US-Präsident Richard Nixon begründete, warum er keine Frau in ein Amt am Obersten Gerichtshof der USA berufen würde: "Ich