Von David Weinberger
Kunden nutzen immer häufiger Web-Seiten, die Informationen über Produkte bündeln, statt jede Firmen-Internetseite einzeln zu besuchen. Der Grund ist, dass erstere dem Kunden einen Zusatznutzen bieten - insbesondere wenn diese Websites verschiedene Arten von Informationen verknüpfen: So findet man Immobilienangebote, die mit Kriminalitätsstatistiken bestimmter Standorte verbunden sind. Oder Reiseportale, auf denen Kunden sehen können, welche Fluglinien am pünktlichsten sind.
Für die Topmanager vieler Firmen stellt derartiges Aggregieren von Daten ein Problem dar. Wurde ihnen doch jahrzehntelang von Managementexperten und Beratern gepredigt, die Informationen des Unternehmens seien ein wichtiger Vermögenswert. Deswegen müsse ihre Verbreitung peinlich genau überwacht werden.
Doch Manager stellen häufig fest, dass es ihren Unternehmen nützt, eigene Informationen mit denen anderer Firmen zusammenzuführen. Wer Daten freigibt, verbessert seine Präsenz auf dem Markt und senkt die Kosten für das Bereitstellen von Informationen für die Kunden. Wie das Beispiel der Reiseveranstalter zeigt, befinden sich Unternehmen auch im Wettbewerb darum, wer es seinen Kunden am leichtesten macht, die richtige Kaufentscheidung zu treffen. Solche Erfahrungen der Kunden sind für das Unternehmen wichtig. Dieses kann sich dann stärker auf seine Kernkompetenzen konzentrieren. Derweil leiten die Portale, die Informationen gebündelt haben, das Geschäft wieder an die ursprünglichen Anbieter zurück.
In den meisten Fällen sollten Firmen sich nicht dagegen sträuben, dass ihre Informationen mit denen anderer Firmen zusammengeführt werden. Sie sollten es den Plattformbetreibern im Gegenteil so einfach wie möglich machen, ihre Informationen aufzunehmen und zu verbreiten. Fluggesellschaften geben ihre Flugpläne beispielsweise kostenlos an die Reiseveranstalter weiter. Die Immobilienbranche dagegen hat vehement gegen die Aggregation gekämpft, obwohl sie ihnen nur Vorteile verschafft hat.
Das Immobilienportal Propsmart durchsucht öffentlich zugängliche Immobilienangebote mithilfe eines Prozesses, der sich "scraping" (deutsch: zusammenkratzen) nennt. Die Software von Propsmart grast die Seiten danach ab, welche Zahlen im Text eine Postleitzahl sein könnten, welche ein Kaufpreis und welche eine Telefonnummer. Eigentlich ist es kostenloses Marketing für die Makler, wenn deren Objekte bei Propsmart gelistet werden und die Kunden auf diesem Weg zu den ursprünglichen Anbietern geschickt werden. Dennoch erhält Propsmart von den Immobilienanbietern ständig Aufforderungen, diesen Dienst einzustellen.