Blick nach Amerika
Frustfaktor Vorgesetzter
Frustfaktor Sinnsuche
Abbildungen + Diagramme
Infografik
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Von Cornelia Geißler
Die Gewinne steigen wieder, dennoch hat sich die Stimmung bei den Beschäftigten deutscher Unternehmen auch 2006 nicht verbessert. Im Gegenteil: Der Anteil derer, die sehr unglücklich mit ihrem Job sind, ist noch gestiegen. Das belegen die aktuellen Ergebnisse einer Befragung von Angestellten durch die Gallup Organisation, ein internationales Beratungsunternehmen.
Gallup unterteilt die Beschäftigten in drei Gruppen (siehe auch Grafik rechts): Fast ein Fünftel der Beschäftigten gehört zur ersten Gruppe. Diese Mitarbeiter haben keine emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber. Sie arbeiten aktiv gegen die Interessen des Unternehmens, haben die innere Kündigung vollzogen oder sind mit der Arbeitssituation unglücklich. Zur Gruppe zwei (geringe emotionale Bindung) gehören diejenigen, die zwar nicht aktiv sabotieren, aber nur Dienst nach Vorschrift leisten (68 Prozent). Gruppe eins und zwei addieren sich auf schwindelerregende 87 Prozent. Nur 13 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland zählen demnach zur dritten Gruppe (hohe emotionale Bindung) und dürfen damit als besonders produktiv für die Unternehmen eingeschätzt werden.
"Emotional gebundene Mitarbeiter sind in der Regel auch zufrieden mit ihrem Job. Umgekehrt kann jemand zufrieden, aber nicht emotional gebunden sein", erläutert Marco Nink, Senior Consultant bei der deutschen Dependance von Gallup. "Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Job zwar nicht erfüllend ist, aber der Arbeitsplatz viel Freiraum für private Aktivitäten wie Telefonate oder Surfen im Internet bietet. An diesem Beispiel zeigt sich, warum die Kennzahl ,emotionale Bindung' direkt Aufschluss darüber liefert, wie produktiv Mitarbeiter für das Unternehmen arbeiten."
Wie sich diese Daten auf die Markt- und Kostensituation auswirken können, zeigen drei weitere Ergebnisse aus der Studie. Erstens: Mitarbeiter mit hoher emotionaler Bindung fehlen rund 2,4 Tage weniger pro Jahr als ihre frustrierten Kollegen. Zweitens: 77 Prozent der emotional stark Gebundenen empfehlen ihre Firma als Arbeitgeber Freunden oder Familienangehörigen weiter, während das bei den nicht Gebundenen nur 5 Prozent tun. Drittens: Drei Viertel der hochloyalen Kollegen werben per Mundpropaganda für die Produkte und Dienstleistungen des eigenen Unternehmens, hingegen macht das nur ein Viertel der Frustrierten.
Erstmals fragte Gallup auch danach, wie emotionale Bindung und Innovationsklima in einem Unternehmen zusammenhängen. Das Ergebnis: Motivierte Mitarbeiter gaben an, ihrem Vorgesetzten in den vergangenen sechs Monaten zehn Ideen vorgestellt zu haben, etwa doppelt so viele wie die Unmotivierten.