RSS Donnerstag, 17. Mai 2012

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Wettbewerb

Die Regeln des Spiels verstehen

Von Michael Leitl

Die Spieltheorie hat die Vorstellungen von Strategie und Wirtschaft entscheidend geprägt. Berater nutzen sie heute für ihre Projekte, Manager lernen, besser zu entscheiden, und Wissenschaftler arbeiten bereits an neuen Konzepten.

Im Sommer 1994 erhöhte die "New York Post" den Preis pro Ausgabe von 40 auf 50 Cent. Ein Schritt mit Folgen. Die Auflage brach ein. Der ärgste Konkurrent, die "Daily News", blieb bei 40 Cent pro Ausgabe. Rupert Murdoch, der Eigentümer der "New York Post", reagierte daraufhin schnell. Er kündigte an, den Preis auf 25 Cent zu senken. Ein Preiskrieg drohte.

Dieser Mechanismus funktioniert weltweit anscheinend automatisch, bis einer der Kontrahenten kein Geld mehr hat. Egal ob es um Mobilfunktarife oder Flugtickets geht.

Eine Methode, um diese Muster zu erklären, liefert die Spieltheorie (siehe "Was ist ...?" Seite 25). Mit der seit 1944 bekannten Theorie werden strategische Probleme analysiert und optimale Lösungswege erarbeitet. Sie wird heute in den unterschiedlichsten Fach- gebieten angewandt und liefert auch für Manager ein strategisches Rüstzeug.

Eines der spieltheoretischen Modelle, das unter anderem auch auf Preiskriege zutrifft, ist das Gefangenendilemma. Hier bekommen zwei Gefangene getrennt voneinander das gleiche Angebot: Wer die Tat gesteht und so den anderen belastet, wird als Kronzeuge mit Freispruch belohnt. Dafür muss der andere 20 Jahre hinter Gittern bleiben. Wenn beide gestehen, kommt jeder mit zehn Jahren Haft davon. Bleiben beide standhaft, kommen sie mit fünf Jahren davon.

Da keiner die Absichten des anderen kennt und es keine Möglichkeit gibt, sich abzusprechen, neigt jeder zum Geständnis.

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