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Von Andrew O'Connell und Leigh Buchanan
Mitte des 20. Jahrhunderts führte Chester Barnard, pensionierte Führungskraft einer amerikanischen Telefongesellschaft und Autor von "Die Führung großer Organisationen", den Begriff "Entscheidungsfindung" (englisch: decision making) im Management ein. Ursprünglich stammt der Ausdruck aus dem Sprachgebrauch der öffentlichen Verwaltung; in den Unternehmen ersetzte er nach und nach enger gefasste Formulierungen wie "Verteilen von Ressourcen" und "Festlegen von Richtlinien".
Der Begriff veränderte die Art, wie Manager über ihre Handlungen dachten. Er sorgte für frischen Wind und verstärkte den Wunsch nach Eindeutigkeit, so William Starbuck, Managementprofessor am Charles H. Lundquist College of Business der University of Oregon. "Das Festlegen von Richtlinien kann endlos dauern, und es gibt immer Ressourcen, die es zu verteilen gilt", erklärt er. "Das Wort Entscheidung impliziert das Ende der Überlegungen und den Beginn der Handlungen."
Barnard legte auf diese Weise - und nach ihm Vordenker wie James March, Herbert Simon und Henry Mintzberg - die Grundlage, um zu erforschen, wie in Unternehmen Entscheidungen getroffen werden. Doch die Bedeutung des Entscheidungsprozesses reicht noch weiter: Die Antworten auf die Fragen, wer etwas entscheidet und auf welche Weise, haben weltweit Regierungs- und Rechtssysteme wie auch die soziale Ordnung geprägt. "Leben ist die Summe all unserer Entscheidungen", sagte Albert Camus. Geschichte ist folglich die Summe der Entscheidungen der ganzen Menschheit.
Die wissenschaftliche Untersuchung des Entscheidens vereint folglich verschiedenste wissenschaftliche Disziplinen: Mathematik, Soziologie, Psychologie, Wirtschaft, Staatslehre, um nur einige zu nennen. Philosophen denken darüber nach, was unsere Entscheidungen über uns selbst und unsere Werte aussagen; Historiker analysieren, warum Herrscher in entscheidenden Momenten so und nicht anders entschieden haben. Wer Risiken und Organisationsverhalten untersucht, hat meist handfestere Gründe: Er will Managern dabei helfen, bessere Resultate zu erzielen. Obwohl eine gute Entscheidung noch kein Garant für ein gutes Ergebnis ist, hat sich solcher Pragmatismus dennoch ausgezahlt. Das Verständnis für den Umgang mit Risiken wächst, das Wissen über das menschliche Verhalten vergrößert sich, und der technische
Fortschritt erlaubt es, kognitive Prozesse zu unterstützen und nachzuahmen. All dies hat in vielen Situationen bessere Entscheidungen bewirkt.