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Komplexität: Im 20. Jahrhundert ging es in Unternehmen vor allem darum, Risiken zu managen. Nun müssen Führungskräfte lernen, mit dem ständigen Zweifel zu leben - und mit der Erkenntnis, dass es mehr und mehr Dinge gibt, die sich nicht vorhersehen lassen.
Von Nitin Nohria und Thomas A. Stewart
Als eigenständige Disziplin existiert Management seit etwa einem Jahrhundert. Frederick W. Taylors "Principles of Scientific Management" wurden 1911 veröffentlicht. Die Dartmouth Graduate Business School wurde im Jahr 1900 eröffnet, die Harvard Business School 1908.
Während des 20. Jahrhunderts dominierten Strategien, um Risiken zu managen. Es ging darum, unnötige Risiken auszuräumen, unvermeidbare Risiken zu kontrollieren und das Risiko-Gewinn-Verhältnis zu berechnen. Der Ingenieur und Managementprofessor Taylor, Experten für Arbeitsabläufe wie Frank Galbreath und Henry Fords Entwicklung des Fließbands machten Arbeit zur Routine - und damit vorhersagbar. Durch die Einführung von Forschungs- und Entwicklungsabteilungen sank die Abhängigkeit vom Zufall zu Gunsten planbarer Erfindungen. Die Budgetierung ermöglichte rationaleres Entscheiden, und die Aufteilung in Geschäftsbereiche trug dazu bei, politische Taktiererei einzudämmen. Werkzeuge wie Six Sigma (für Arbeitsabläufe) sowie Versicherungen, Risikoabsicherung und Portfolio-Management (für die Finanzen) versprachen zusätzlich das Risiko zu senken.
In diesem Jahrhundert muss sich die Managementdisziplin zwei dickere Brocken vornehmen: Unsicherheit und Zweifel. Was heißt das? Risiko ist kalkulierbar, es kann in Wahrscheinlichkeiten ausgedrückt werden. Unsicherheit ist nicht kalkulierbar. Eine Partie Roulette ist riskant - aber ihr Ausgang ist nicht ungewiss, Roulette folgt klaren Spielregeln. Der Ökonom John Maynard Keynes sagte über Unsicherheit: "Ich verwende diesen Begriff im Zusammenhang mit Fragen wie der Wahrscheinlichkeit eines Krieges in Europa oder der Entwicklung des Preises von Kupfer und des Zinses in den kommenden 20 Jahren. Für diese Entwicklungen gibt es keine wissenschaftliche Basis, auf die sich eine berechenbare Prognose stützen könnte. Wir wissen es einfach nicht."