Von Michael Nippa
Jahrzehntelang reichten Kaufmannsehre in Verbindung mit den Aktiengesetzen und gängigen Anstellungsverträgen, damit Vorstände im Interesse ihrer Firmen und deren Eigentümern handelten. Seit einiger Zeit genügt das offenbar nicht mehr. Ständig fordern "selbstlose" Experten neue Corporate-Governance(CG)-Regeln, um Manager zu effizienter Unternehmensführung zu zwingen.
Woher der Sinneswandel? Mitte der 70er Jahre - einer Dekade mit ausufernden Managergehältern, historisch tiefen Renditen und vielen Börsenskandalen - entdeckten Vordenker der Ökonomie vor dem Hintergrund ihres pessimistischen Menschenbildes eine Konspiration: Kapitalgeber - insbesondere Kleinaktionäre - börsennotierter Unternehmen würden von deren Managern seit Jahrzehnten skrupellos ausgebeutet.
Die CG-Diskussion wird von dieser Grundannahme dominiert. Die neoliberale Argumentation und die angloamerikanisch geprägte Sichtweise werden zur alleinigen Doktrin der Unternehmensführung, jede alternative Meinung diskreditiert. Studenten der Wirtschaftswissenschaften bekommen bereits beigebracht: Manager sind weder fähig noch willens, das ihnen überlassene Kapital optimal zu investieren. Sie vergeuden und stehlen es, werden sie nicht kontrolliert und wird ihr Verhalten nicht durch monetäre Anreize gesteuert. Die Konsequenzen sind:
Misstrauen und Regulierungsmanie. Mit dem vordergründigen Ziel des Aktionärsschutzes werden ständig neue Gesetze, Kodices und Vorschriften erlassen. Existierende Überwachungsinstitutionen (Wirtschaftsprüfer, Aufsichtsrat) werden von neuen Über-Überwachungsorganen kontrolliert. In Europa wetteifern nationale Regierungen und EU-Behörden um den Preis für die detailliertesten und härtesten Vorschriften.
Am Beispiel der USA kann man sehen, wie gleichermaßen aufwändig und ineffizient die Regelwerke sein können. Enron & Co. beweisen nicht die Richtigkeit der auf ökonomischer Theorie gründenden Maßnahmen, sondern deren Fehlerhaftigkeit. Bezeichnenderweise sind die meisten deutschen Worldcoms wie EMTV im als am fortschrittlichsten gefeierten 'Neuen Markt' aufgetreten. Statt es hier zu Lande besser zu machen, wird die angloamerikanische Vorliebe für Überwachung und Kontrolle, die empirischen Befunden nach drei- bis viermal so hoch ist wie beispielsweise in Deutschland oder Schweden, unreflektiert imitiert. Wer trägt die - verborgenen - Kosten? An erster Stelle die Firmen und deren Eigentümer.