Neue Perspektive
Die Rolle des CPO
Wolfram Jost
© 2004 Harvard Businessmanager
Anzahl Seiten: 2
Anzahl Zeichen: 7.762
Preis: 6,00 €
Von Wolfram Jost
Einst waren die für Informationstechnik (IT) zuständigen Manager mächtige Herren der Daten, Systeme und Anwendungen. Ungekrönte Herrscher in den Unternehmen waren sie schon deshalb, weil die anderen Führungskräfte nichts von der Materie verstanden - und die IT-Manager sich auch gar nicht bemühten, verständlich zu sein. Im Gegenteil: Wissen war Macht und die Fachsprache der Schutzwall. Ihren Einfluss verschafften sie sich, weil sie mit ihren Maschinen für höhere Produktivität, höhere Wertschöpfung, eine bessere Marktposition sorgten.
Diese Situation hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert und wird sich noch stärker verändern. Drastisch hat es Nicholas Carr in seinem in der "Harvard Business Review" erschienenen Artikel "IT does not matter" ausgedrückt: Mit Informationstechnik sei kein Wettbewerbsvorteil mehr zu erzielen, lautet sein Urteil. Bereits in den 80er Jahren sei Hardware zur austauschbaren Commodity geworden, nun ergehe es der Software ähnlich. Wie Strom und Telekommunikation werde IT zur Basistechnik. Der Preis und nicht mehr die Technik entscheide über den Kauf.
Hinzu kommt, dass inzwischen die Fachabteilungen über die Technikbudgets entscheiden, während die IT-Manager mit weitgehend leeren Kassen leben müssen.
Wird damit der Chef der IT, der Chief Information Officer (CIO), zum Herrscher ohne Reich?
Ich stimme Carr zu, dass die reine Hard- und Software an Bedeutung verliert. Sie werden künftig zu Standardwerkzeugen wie Telefonanlagen, Zeiterfassungssysteme oder Produktionsmaschinen; wettbewerbsrelevant sind sie nicht. Anders sieht es bei prozessunterstützender IT aus, vor allem betriebswirtschaftlichen Anwendungen etwa zum Steuern der Unternehmensressourcen oder der Kundenkontakte. Dabei geht es um die Schnittstelle zwischen Geschäft, Organisation und IT. Hier liegt heute das Potenzial für Produktivität, Flexibilität und Rentabilität.