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Von Heike Bruch und Sumantra Ghoshal
Fragen Sie Manager, was ihren Erfolg im Job behindert, und Sie bekommen immer die gleiche Litanei zu hören: zu wenig Zeit; schrumpfende Ressourcen; keine Entfaltungsmöglichkeiten. Wenn Sie aber näher hinsehen, merken Sie, dass dies meist nur Ausreden sind. Was den Managern wirklich im Weg steht, ist etwas anderes, sehr Persönliches: die Angst davor, nach eigenem, bestem Urteil zu handeln. Anstatt ihr Unternehmen - und ihre eigene Karriere - wirklich voranzubringen, sind sie vollauf damit beschäftigt, zu tun, was andere ihrer Meinung nach von ihnen erwarten.
In den vergangenen fünf Jahren haben wir hunderte von Managern bei ihrer täglichen Arbeit in den unterschiedlichsten Umfeldern beobachtet: in einer globalen Fluggesellschaft etwa oder einer großen US-Ölfirma. In unserem Beitrag "Vorsicht vor übereifrigen Managern" (siehe Servicekasten Seite 65) zeigten wir, dass stolze 90 Prozent der beobachteten Führungskräfte ihre Zeit verschwendeten und ihre Produktivität reduzierten - trotz gut definierter Projekte und Ziele und obwohl sie genug Wissen besaßen, um ihren Job gut zu machen. Sie waren in einer Ineffizienzfalle gefangen, weil sie annahmen, sie hätten nicht genügend persönliche Verfügungsfreiheit oder Kontrolle. Die Fähigkeit, die Initiative zu ergreifen, ist die wichtigste Eigenschaft jedes wirklich erfolgreichen Managers.
Die meisten Dinge, die Manager als gegeben hinnehmen, sind tatsächlich veränderbar. In unserer Studie sind wir immer wieder auf eine eigenartige, aber weit verbreitete Realität im Firmenleben gestoßen: Die meisten Führungskräfte klagen über zu wenig Freiheit in ihrem Job, während ihre Chefs bei ihnen die Fähigkeit vermissen, Chancen beim Schopf zu packen. Die wirklich effektiven Manager, die wir beobachtet haben, handeln bewusst, vertrauen ihrem eigenen Urteil und betrachten ihre Situation aus einer langfristigen, umfassenden Perspektive. Sie erreichen so persönliche Ziele, die gleichzeitig mit denen der Firma übereinstimmen. Sie brechen aus vorgegebenen Handlungsstrukturen aus, übernehmen die Kontrolle über ihren Job und werden produktiver, denn sie lernen die folgenden Dinge:
Anforderungen managen. Die meisten Manager fühlen sich überfordert. Sie glauben, ohne sie würde das Unternehmen nicht wirklich funktionieren. Deshalb lassen sie zu, dass reale oder eingebildete Anforderungen des Tagesgeschäfts ihre Urteilsfähigkeit beeinträchtigen. Effektive Manager dagegen kontrollieren aktiv die Anforderungen an sich selbst und die Erwartungen der wesentlichen Stakeholder. Dadurch gelingt es ihnen, sich auf strategische Ziele zu konzentrieren, anstatt permanent nur als Feuerwehrleute agieren zu müssen.
Ressourcen schaffen. Indem sie vermeintlich strikte Befehle von oben befolgen, operieren viele typische Manager nur mit den vorhandenen Budgets und Ressourcen, was zu einem Denken in starren Grenzen und einer "Geht nicht"-Mentalität führt. Effektive Manager dagegen entwickeln einfallsreiche Strategien, um reale oder eingebildete Beschränkungen zu umgehen. Sie entwickeln langfristige Strategien und handeln danach, gehen Kompromisse ein und verstoßen gelegentlich gegen die Regeln, um ihre Ziele zu erreichen.