Abbildungen + Diagramme
Infografik
Infografik
Infografik
Infografik
Anzahl Seiten: 16
Anzahl Zeichen: 47.796
Preis: 4,00 €
Von David P. Norton und Robert S. Kaplan
Wie wertvoll ist eine Unternehmenskultur, die Mitarbeiter in die Lage versetzt, die übergeordneten Ziele, die Vision und die wichtigsten Werte ihres Arbeitgebers zu verstehen und daran zu glauben? Wie hoch ist die Rendite einer Investition in ein Wissensmanagementsystem oder eine neue Kundendatenbank? Und was ist wichtiger: die Fähigkeiten aller Mitarbeiter auszubauen oder sich auf wenige Personen in Schlüsselbereichen zu konzentrieren?
Wer den Nutzen immaterieller Werte messen kann, hat den heiligen Gral des Rechnungswesens gefunden. Die Fähigkeiten der Mitarbeiter, die IT-Systeme und die Unternehmenskultur sind für viele Firmen weitaus wertvoller als ihre materiellen Vermögensgegenstände. Im Gegensatz zu Finanz- und Sachwerten kann die Konkurrenz immaterielle Werte nur schwer imitieren. Das macht sie zu einer wichtigen Quelle nachhaltiger Wettbewerbsvorteile. Wenn Führungskräfte also eine Möglichkeit fänden, den Wert ihrer immateriellen Güter zu bestimmen, könnten sie die Wettbewerbsposition ihres Unternehmens einfacher und genauer messen und managen.
Leider ist dies leichter gesagt als getan. Denn anders als Finanz- und Sachwerte werden immaterielle Positionen durch verschiedene Betrachter unterschiedlich eingestuft. Eine Ölquelle ist zum Beispiel für ein Handelsunternehmen fast genauso wertvoll wie für eine Ölfirma, da beide die Quelle bei Bedarf schnell verkaufen könnten. Mitarbeiter, die einen ausgeprägten Sinn für Kundenservice und Kundenzufriedenheit haben, sind hingegen für das Handelsunternehmen weitaus einträglicher.
Anders als bei materiellen Gütern erfolgt die Wertschöpfung immaterieller Werte fast nie isoliert durch diese selbst, sondern resultiert erst aus einer Kombination mit anderen Werten. Investitionen in Informationstechnologie etwa bringen wenig Rendite, solange sie nicht durch Personalschulungen und Anreizprogramme ergänzt werden. Umgekehrt lohnt Personalschulung kaum, wenn sie nicht durch moderne Technologie-Tools ergänzt wird. Das Management muss Personal- und IT-Investitionen in die Firmen-Gesamtstrategie integrieren, wenn das Unternehmen sein Potenzial ausschöpfen will. Oft führt eine organisatorische Trennung von Funktionen wie Personalwesen und Informationstechnologie dazu, dass die fachlich spezialisierten Einheiten miteinander konkurrieren: Die Personalabteilung ist an mehr Mitarbeiterschulungen interessiert, die IT-Abteilung am Kauf neuer Hard- und Softwarepakete.
Hinzu kommt, dass immaterielle Werte die Finanzleistung des Unternehmens nur selten direkt beeinflussen, sondern meist über komplexe Ursache-Wirkungs-Ketten. Die Schulung von Mitarbeitern auf den Gebieten Total Quality Management (TQM) und Six Sigma sollte beispielsweise die Qualität der Abläufe steigern. Diese Verbesserung, so die Hoffnung, müsste dann zu einer höheren Kundenzufriedenheit beziehungsweise -loyalität führen - und gleichzeitig Ressourcen freischaufeln. Die Investition in Schulungen wird sich jedoch nur dann auszahlen, wenn das Unternehmen diese Loyalität in verbesserte Verkaufsergebnisse und Margen ummünzen kann und sich von überschüssigen Ressourcen entweder trennt oder sie anderweitig verwertet. Ein neuer materieller Vermögenswert wirkt sofort: Wenn ein Handelsunternehmen einen neuen Standort erschließt, kann es durch die Verkäufe in den neuen Räumen sofort finanzielle Vorteile realisieren.