Eine Frage der Größe
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www.quentinf.com (Fleming)
www.primavera.com (Koppelmann)
© 2003 Harvard Business School Publishing
Anzahl Seiten: 3
Anzahl Zeichen: 7.673
Preis: 4,00 €
Von Joel M. Koppelman und Quentin W. Fleming
Führungskräfte haben viele Möglichkeiten, Bilanzen zu schönen. Einige davon sind legal, andere nicht. Letztere verlieren jedoch in den USA zunehmend an Attraktivität, dank der Aufmerksamkeit, die sie jüngst durch den Kongress, die SEC (Staatliche Kommission zur Überwachung des Wertpapier- und Wechselhandels) und andere Aufsichtsbehörden erfuhren.
Aber einige Führungskräfte verzerren die Darstellung der Unternehmensleistung in einer Weise, die, wenngleich legal, nicht weniger gefährlich ist: Sie billigen, ja fördern optimistische Prognosen zu umfangreichen, langfristigen Investitionsprojekten.
Gemeint sind Großprojekte wie der Bau neuer Fabriken, das Outsourcing der EDV oder die Stilllegung von Atomreaktoren. Projekte, die - verzögert sich ihre Ausführung oder verteuern sie sich erheblich - die Gewinne über Jahre belasten können.
Das Problem ist, dass die Finanzchefs nur zwei Größen berücksichtigen, wenn sie die Kosten eines Projekts berechnen: die Plankosten und die tatsächlichen Kosten. Nach dieser Rechenmethode liegen sie richtig, wenn sie das gesamte einem Projekt zugewiesene Geld ausgeben. Geben sie weniger als vorgesehen aus, ist es eine Kostenunterschreitung. Geben sie mehr aus, ist dies eine Überziehung des Budgets. Dabei bleibt aber eine dritte, sehr wichtige Größe außen vor: der Wert der geleisteten Arbeit.
Ein Beispiel: Bei einem Fünf-Jahres-Projekt von einer Milliarde Dollar für die Entwicklung eines Flugzeugs sind für die ersten zweieinhalb Jahre 500 Millionen Dollar eingeplant. Diese Zahl spiegelt den Erwartungswert an Arbeits- und Materialkosten für das Projekt nach Ablauf der Hälfte der Zeit wider. Nehmen wir an, bis zu diesem Zeitpunkt wurden nur 450 Millionen Dollar ausgegeben. Manche Projektmanager nennen dies eine Budgetunterschreitung. Was ist aber, wenn Sie im Zeitplan zurückliegen, sodass der Wert der geleisteten Arbeit nur 400 Millionen Dollar beträgt? Von einer Kostenunterschreitung lässt sich da bestimmt nicht sprechen. Im Gegenteil: Es ist eine Überziehung des Budgets von 50 Millionen.