Abbildungen + Diagramme
Infografik
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Von Anette Nothnagel
In hierarchischen Unternehmen gibt es meist Beurteilungssysteme "von oben nach unten". Damit bewerten Führungskräfte Leistung und Verhalten der Mitarbeiter, werden umgekehrt aber nicht beurteilt. Dieses "Feed- back-Tabu" konserviert das interne Machtgefälle. Und die Manager erfahren meistens wenig darüber, ob Mitarbeiter ihr Führungsverhalten schätzen oder eher beklagen. So fehlt ein wichtiges Verhaltenskorrektiv, gegenseitige Mißverständnisse, "chronische" Kommunikations- defizite und Konflikte werden häufig nicht angesprochen. All dem kann eine Beurteilung der Führungskräfte von unten nach oben entgegenwirken. Mit einem speziell entwickelten Fragebogen, den Mitarbeiter und Führungskräfte gleicher- maßen ausfüllen, bekommen Führungskräfte einen Spiegel ihres Verhaltens.
Wie sich der Mangel an Rückmeldung durch unsere Umwelt in extremer Weise auf menschli- che Wesen auswirken kann, zeigt ein Experiment, das der Stauferkaiser Friedrich der Zweite (1194-1250) anordnete. Um den Beweis zu füh- ren, daß es eine dem Menschen angeborene, von Gott gegebene Sprache gäbe, nahm er einer Gruppe von Müttern die Neugeborenen weg und ließ sie durch Ammen aufziehen. Ihnen wurde befohlen, in der Nähe der Kinder weder zu sprechen noch irgendwelche sonstigen Laute von sich zu geben. Ein willkürlich geschaffener Zustand der Sprachlosigkeit, aus dem sich ergeben sollte, welche Sprache die Kinder als erstes zu sprechen beginnen. Friedrich erfuhr es nie, weil alle Kinder vorzeitig starben (siehe Watzlawick 1992).
Beachtung, Interesse und Kommunikation mit den Mitmenschen ist für jedermann lebenswichtig. Dies gilt für den privaten Bereich genauso wie für das Leben in einem betrieblichen Umfeld. Hier ist ein lebendiger zwischenmenschlicher Austausch und das Spiegelbild der Kollegen, Vorgesetzten und Mitarbeiter - im Sinne eines offenen und konstruktiven Feedbacks - bestimmend für ein gutes Arbeitsklima und eine hohe Motivation aller Beteiligten. Fehlen diese Faktoren ganz oder teilweise, dann ist das soziale Beziehungssystem gestört und die Lebensqualität eingeschränkt. Die oft nicht mehr revidierbaren Folgen: hohe Krankenstände, innere Kündigung, Frust, Burn-out oder sogar destruktives Verhalten.
Feedback der anderen - Spiegel unseres Selbst
Das Spiegelbild, das uns unsere Mitmenschen geben, bestätigt und formt uns - nicht zuletzt, weil es unser Verhalten in Frage stellt. Die Reaktion anderer auf unser Verhalten zeigt uns mittel- oder unmittelbar, ob wir sachlich und emotional von unseren Mitmenschen akzeptiert oder abgelehnt werden. Nur durch diese Interaktion entwickeln und lernen wir soziale Verhaltensweisen und können zu einem realistischen Selbstbild gelangen. Nur so erfahren wir etwas über unsere Wirkung auf andere, unsere Eigenschaften und Fähigkeiten. Menschen, die wenig oder gar kein Feedback bekommen, entwickeln sich oft zu Einzelgängern oder Sonderlingen.