RSS Donnerstag, 17. Mai 2012

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Infografik
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Anzahl Seiten: 9
Anzahl Zeichen: 39.510
Preis: 4,00 €

Willkommen in der Erlebnisökonomie

Von B. Joseph Pine und James H. Gilmore

Produkte und Dienstleistungen werden zunehmend standardisiert. Jetzt kommt es darauf an, welche Erlebnisse Unternehmen ihren Kunden bieten.

Die westlichen Volkswirtschaften stehen an der Schwelle zu einer neuen Zeit, sie trägt den Namen Erlebnisökonomie. Sachgüter und Dienstleistungen werden künftig dazu dienen, den Menschen besondere Erlebnisse und Erfahrungen zu ermöglichen, für die sie bereitwillig Geld ausgeben. Im Vergnügungs- und Reisegewerbe gibt es bereits eine Reihe erfolgreicher Beispiele - etwa Walt Disneys Erlebnisparks sowie auf Erlebnismotive hin ausgestaltete Einkaufszentren, Cafés und Restaurants. Manager in vielen anderen Branchen werden sich fragen müssen, auf welche Weise sie ihren Kunden ebenfalls zu eindrucksvollen Erlebnissen verhelfen können, die lange nachwirken. Die beiden Autoren stellen fünf Grundregeln vor, die Manager befolgen sollten, wenn sie das Interesse an Erlebnissen befriedigen wollen. Die Mahnung an Hersteller, Dienstleister und Händler ist klar: Wer sein Geschäftsmodell nicht nach erlebniswirtschaftlichen Kriterien umstellt, wird im Konkurrenzkampf bald das Nachsehen haben.

Wie verändern sich Volkswirtschaften? Die gesamte Geschichte des wirtschaftlichen Fortschritts läßt sich am Beispiel des Geburtstagskuchens nachvollziehen. Zu Zeiten der Agrarwirtschaft stellten Mütter ihn gewissermaßen aus dem Nichts her, indem sie landwirtschaftliche Erzeugnisse - Mehl, Zucker, Butter und Eier - miteinander vermischten, die zusammen wenig kosteten. Mit der Entstehung einer auf Warenverkauf basierenden industriellen Wirtschaft zahlten die Mütter zwei oder drei Mark an Betty Crocker, eine bekannte Lebensmittelfirma, für eine vorgefertigte Backmischung. In der Dienstleistungswirtschaft bestellten die vielbeschäftigten Eltern den Kuchen bei der Bäckerei oder beim Lebensmittelgeschäft, was etwa 20 bis 30 Mark kostete, also zehnmal so teuer war wie die abgepackten Zutaten.

Heute, in den rastlosen 90er Jahren, backen die Eltern weder den Kuchen selbst noch veranstalten sie überhaupt den Kindergeburtstag. Statt dessen investieren sie 200 Mark und mehr in "Outsourcing": Sie beauftragen einen Partyservice, der unvergeßliche Erlebnisse für die Kinder inszeniert - den Kuchen gibt es gratis dazu.

Willkommen in der entstehenden Erlebnisökonomie. Gewöhnlich haben Wirtschaftswissenschaftler Erlebnisse mit Dienstleistungen gleichgesetzt. Doch es handelt sich hier um ein eigenständiges wirtschaftliches Angebot, das sich von Dienstleistungen ebenso unterscheidet wie diese von Produkten. Heute können wir es identifizieren und beschreiben, denn es gibt bei den Verbrauchern eine Nachfrage nach Erlebnissen, und immer mehr Unternehmen reagieren darauf.

Während Dienstleistungen wie Produkte standardisiert werden - man denke nur an die Ferngespräche, die sich zunehmend über den Preis verkaufen -, sind Erlebnisse zur nächsten Stufe von dem geworden, das wir die Entwicklung des wirtschaftlichen Wertes nennen (siehe Abbildung 1).

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