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Anzahl Seiten: 20
Anzahl Zeichen: 61.611
Preis: 6,00 €
Von Jack R. Buchanan und Richard G. Linowes
JACK R. BUCHANAN ist Spezialist für computergestützte Managementsysteme und Assistenzprofessor für Unternehmenswissenschaften an der Harvard Business School. RICHARD G. LINOWES hat als Doktorand an der Harvard Business School reichhaltige Erfahrungen beim Aufbau und bei der Einführung computergestützter Management- Informationssysteme gesammelt.
Unlängst verteidigte der Marketingmanager eines Unternehmens einen der wesentlichsten Punkte seines Dreijahresplanes: "Es ist unerläßlich, daß wir jedes unserer regionalen Verkaufsbüros mit Minicomputern ausrüsten. Wir planen, ein hochentwickeltes Kundeninformationssystem einzuführen, das unser gesamtes Bestellwesen überschaubarer macht, die Rückverfolgung einzelner Bestellungen erleichtert und Servicedaten auf Abruf speichern kann. Wir brauchen aber ein halbes Dutzend Minicomputer, damit dieses System funktioniert. Wenn wir uns dabei ausschließlich auf den alten Großcomputer in unserem EDV-Zentrum verlassen müssen, werden wir unseren Kunden nicht die beabsichtigte Servicequalität bieten können." Die Mitglieder des Exekutivausschusses hörten dem Marketingmanager aufmerksam zu. Einige waren skeptisch, besonders besorgt schien der Controller zu sein. Er verwies auf den ungewöhnlich hohen Betrag in der vorliegenden Planungsdokumentation und setzte dagegen: "Betrachten wir doch bitte einmal diese Zahl! Ich bin keineswegs davon überzeugt, daß wir wirklich soviel ausgeben müssen. Ich glaube, daß wir die Reaktionsschnelligkeit und die Unabhängigkeit Ihrer regionalen Verkaufsbüros sehr wohl erreichen können, ohne jeder einzelnen Niederlassung einen eigenen Computer zur Verfügung zu stellen." Der Controller fuhr fort: "Wir können uns einfach nicht darauf einlassen, jeder Gruppe in unserem Unternehmen, die solche Systeme haben möchte, Minicomputer zur Verfügung zu stellen. Wir haben in der Vergangenheit schon zu viele solcher Pläne bewilligt, und, offen gestanden: Die Situation gerät allmählich außer Kontrolle. Gegenwärtig heißt es nur, daß wir diese Anlagen kaufen sollen, aber wir haben ja noch keine Ahnung davon, was unsere Leute in den einzelnen Büros und Niederlassungen mit den Systemen machen werden, wenn sie sie erst einmal haben. Ernsthafte Konsequenzen können auf uns zukommen. Um einen Vorschlag, wie er hier auf dem Tisch liegt, zu realisieren, brauchen wir zunächst allgemeine Richtlinien." Solche und ähnliche Diskussionen werden in letzter Zeit häufig geführt. In vielen Unternehmen wird der Ruf nach Minicomputern immer lauter, die in großen Stückzahlen angeschafft werden sollen, um den DV-Erfordernissen praktisch aller Funktionsbereiche zu entsprechen. Mit dieser neuen "Computerdringlichkeit" sehen sich die Unternehmensplaner in eine prekäre Lage versetzt. Aus den verschiedensten Gruppierungen werden Forderungen nach höchst unterschiedlichen Hardware- und Software-Projektionen vorgetragen, die sich auf dem Papier allesamt attraktiv ausnehmen, deren Nutzen jedoch nur schwer meßbar ist, deren Anschaffung aber ausnahmslos die ohnehin knappen Finanzressourcen noch weiter strapazieren würde. So erhebt sich zwangsläufig die Frage, wie Manager die Anschaffung und den Einsatz von Minicomputern für ihre Unternehmen planen können, nach welchen unternehmenspolitischen Richtlinien sie beim Einstieg in die distribuierte Datenverarbeitung vorgehen sollten. Diese Fortsetzung unseres Beitrags "Das Konzept der distribuierten Datenverarbeitung" (siehe HARVARDmanager 1981/IV) hat sich zum Ziel gesetzt, das Erfordernis der DDV- Planung auszuloten und den verantwortlichen Managern eine Reihe geeigneter Planungswerkzeuge an die Hand zu geben. Alle Managementebenen sollten eingeschaltet sein, wenn Unternehmen die Planung ihrer DDV-Erfordernisse angehen, denn die dabei zu fällenden Entscheidungen haben zu weitreichende Auswirkungen, als daß man sie allein dem Gutdünken der Benutzer auf den funktionalen Ebenen oder den Technikern überlassen könnte. Was ist zu tun, damit Manager verstärkt in den Planungsprozeß für die kommende Generation von Datenverarbeitungssystemen eingeschaltet werden? Die Antwort ist einfach: Sie müssen das DDV-Konzept verstehen und in der Lage sein, die Folgen zu bewerten, die sich aus den unterschiedlichen Möglichkeiten des organisatorischen Aufbaus von DDV-Systemen ergeben. Mit unserem ersten Beitrag nahmen wir uns dieser Aufgabe an, der Begriff der distribuierten Datenverarbeitung wurde definiert. In diesem Folgebeitrag werden wir einige wirkungsvolle neue Techniken für die Bewertung aller möglichen Anordnungen der Datenverarbeitungsressourcen in die Diskussion einführen. Diese Methoden werden es auch den nicht im technischen Bereich tätigen Managern der Geschäftsleitung gestatten, ihren wesentlichen Beitrag zur so unternehmenswichtigen DV - Zukunftsplanung zu leisten.
Die Notwendigkeit sorgfältiger Planung