RSS Dienstag, 21. Mai 2013

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Bankiers als Industrielle

Hintergründe

Ende der Zurückhaltung?

Unaufhaltsame Neuorientierung

Abbildungen + Diagramme
Infografik

Anzahl Seiten: 5
Anzahl Zeichen: 21.573
Preis: 6,00 €

Risikofreudige Banken kaufen und verkaufen immer häufiger Unternehmen auf eigene Rechnung

Merchant Banking vor dem Durchbruch

Von Ivo G. Caytas und Julian I. Mahari

Gesteigerte Produktivität und Innovationskraft sowie neue Marktstrategien revolutionieren nicht nur Industrie und Handel. Auch im traditionell eher konservativen Finanzbereich zeigen sich immer deutlicher die Vorboten größerer Veränderungen. Neuartige Interessenkonflikte, Macht- und Marktstrukturen zwingen die Banken, "unternehmerischer" zu denken und zu handeln als bisher. Immer mehr schlüpfen sie aus der Rolle bloßer Makler zwischen Wertpapieremittenten und dem anlagebereiten Publikum heraus und greifen aktiv - und nicht nur beratend und verhandelnd - in die Kämpfe um Firmenaufkäufe und -Zusammenschlüsse ein. Merchant Banking bricht infolge der Vielzahl seiner unterschiedlichen Finanzleistungen mit einer ganzen Reihe herkömmlicher Gepflogenheiten im Bankgeschäft.

DR. IVO G. CAYTAS befaßt sich als Wirtschaftsjurist in New York vorrangig mit Konzernzusammenschlüssen, industriellen Finanzstrategien und Wagnisfinanzierungen. DR. JULIAN I. MAHARI ist Dozent für Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule St. Gallen. Seine Spezialgebiete sind moderne Finanzierungsinstrumente, Management Controlling und Finanz- und Rechnungswesen. Die beiden verfaßten das Buch "Im Banne des Investment Banking: Fusionen und Übernahmen überleben den Crash '87", Zürich und Düsseldorf 1988.

Geheiligte Tradition sieht das Investment Banking in einer bloßen Berater- und Vermittlerrolle zwischen Investor und Anlageprojekt. Drei Grundsätze stützten diese Geschäftsphilosophie: * Vermeidung jedes Eigenrisikos, * Vermeidung einer Blockade der Eigenmittel, * Vermeidung erkennbarer Interessenkonflikte. Diese Selbstbeschränkung sollte politisch motivierten Angriffen vorbeugen, die einer tatsächlichen oder vermeintlichen Ausweitung der "Bankenmacht" gelten. Die Institute übten also allenfalls auf dem Kapitalmarkt einen gewissen, wenn auch oft substantiellen Einfluß aus, nicht aber im realwirtschaftlichen Bereich. Dessen Entwicklung erteilte die Börse nur ihre "Zensuren". Zu dieser Philosophie gehörte es auch, daß Banken - wenn nicht unbedingt erforderlich - keine längerfristigen Industriebeteiligungen, schon gar keine Mehrheitspakete anstreben wollten und vieles in Kauf nahmen, um mit ihrer Industriekundschaft nicht in direkte unternehmerische Konkurrenz zu treten. Doch mit all dem wird es demnächst vorbei sein. Investment Banking, schon lange und unbeschadet des Börsen- Crash eine der ertragreichsten Geschäftssparten, konzentriert sich mehr und mehr auf den Kernbereich Corporate Finance (siehe Abbildung). Dort fallen die Entscheidungen über die Finanzierungsstruktur und -konditionen, mithin auch über die realen Macht- und Beherrschungsverhältnisse: Whoever has the gold makes the rules. Im Corporate-Finance-Bereich wiederum kommt der Löwenanteil der Einnahmen aus dem Ressort Mergers & Acquisitions (M&A). Selbst bei berühmten Häusern in England und den USA macht er oft den Großteil des Gesamtgewinnes aus. Die Beratung und Finanzierung des Handels mit Unternehmen und Unternehmensteilen läuft seit einem Jahrzehnt konjunkturunabhängig derart profitabel, daß in immer mehr Vorstandsetagen ein revolutionärer Denkprozeß in Gang kam, dessen Auswirkungen erst allmählich abzuschätzen sind.

Bankiers als Industrielle

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