RSS Samstag, 25. Mai 2013

Inhalt Inhalt

Drei Strategie-Ebenen

Die Geschäftseinheit

Der Konzern

Die Unternehmensidentität

Potentielle Nachteile

Die Schwierigkeiten überwinden

Alle Planungsebenen berücksichtigen

Die organisatorischen Auswirkungen bewältigen

Die Zielvorgaben klären

Planung funktionsfähig gestalten

Anzahl Seiten: 8
Anzahl Zeichen: 30.218
Preis: 6,00 €

Nur in Verbindung mit anderen strategischen Konzepten ist die Portfoliotechnik ein wirksames Managementinstrument

Die Grenzen der Portfolioplanung

Von Richard G. Hamermesh

Als vor fast zwanzig Jahren die Portfolioplanung mit großem Tamtam eingeführt wurde, glaubten ihre Verfechter, sie sei der Schlüssel zu fast allen Problemen der strategischen Planung. Fallstudien und Interviews mit den Chefs von zehn amerikanischen Großunternehmen offenbaren freilich etwas anderes. Die Portfoliotechnik kann durchaus Geschäftsbereichs-Stra tegien verbessern, jedoch nur, wenn sie zusammen mit anderen Verfahren zur Analyse von Industriezweigen und Mitwettbewerbern eingesetzt wird. Sie hilft einzelnen Geschäftseinheiten, ihre Wettbewerbsstärken zu erkennen, gibt dem Topmanagement Aufschlüsse über potentielle Veräußerungskandidaten und fördert den effizienten Einsatz der vorhandenen Ressourcen. Erfahrene Anwender der Portfoliomethode haben aber gelernt, wann sie nicht angewandt werden sollte - etwa bei der Suche nach neuen Marktchancen. Ihr strategisches Denken geht weit über die bekannte Vierfelder-Matrix zur Positionierung von strategischen Geschäftseinheiten hinaus; sie haben auch Markttrends, Branchenbedingungen und technologische Neuerungen im Blick. Versierte Planungsexperten erwarten eher graduelle Fortschritte als plötzliche Durchbrüche. Sie bemühen sich, die Zielvorgaben für eine Geschäftseinheit im Lichte der weiter ausgreifenden Fernziele eines Unternehmens zu verdeutlichen. Der Artikel schlägt einige Regeln vor, die dem Topmanagement helfen sollen, die Planung wirklich strategisch zu gestalten.

RICHARD G. HAMERMESH ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Harvard Business School. Sein jüngstes Buch trägt den Titel "Making Strategy Work"(Verlag Wiley, New York 1986).

Die Portfolioplanung hat einen langen Weg zurückgelegt, seit sie vor mehr als einem Jahrzehnt in Mode kam. Drei Zitate beleuchten, welche unterschiedlichen Erfahrungen Führungskräfte mit diesem strategischen Instrument gemacht haben: "Die Portfolioplanung wurde für mich ein wichtiges Hilfsmittel, sobald ich Chef dieses Unternehmens geworden war. Ich fand es sehr schwierig, so viele unterschiedliche Produkte und Märkte zu verstehen und in den Griff zu bekommen. Da habe ich kurzerhand zur Portfoliotechnik gegriffen, weil sie mir einen Denkrahmen für die Analyse unserer Geschäfte und die Aufteilung der Unternehmensressourcen auf die Geschäftseinheiten bot. Ich wurde ? und bin es noch ? sehr enthusiastisch" (Robert Cushman, 1971 bis 1980 Chief Executive Officer der Norton Company). "Nach zwei Jahren Portf olioplanung begann ich zu erkennen, daß uns die Planung zu stark in Beschlag nahm. Wir konzentrierten uns zu sehr auf Analysen und zu wenig auf Entscheidungen und ihre Durchsetzung" (Joseph P. Flannery, Chief Executive Officer, Uniroyal). "Konzepte wie Portfoliomatrix und Produktlebenszyklus sind in der Theorie sehr gut. Doch wir mußten feststellen, daß man eine Menge Schwierigkeiten bekommt, wenn man glaubt, daß das theoretisch Geplante auch tatsächlich eintritt. Ich kam zu dem Schluß, daß es wichtiger war, sicherzustellen, daß die Theorie nicht verwirklicht wird" (James L. Ferguson, Chief Executive Officer, General Foods). Diese Kommentare geben Lob und Tadel wider, wie sie heute über die Portfolioplanung oft geäußert werden. Ungeachtet der fortdauernden Zweifel am Nutzen dieser Methode behauptet indes niemand, Unternehmen könnten ohne kohärente Strategien erfolgreich arbeiten; nur wenige Firmen sind bereit, die strategische Planung ganz aufzugeben. Und in der Tat wenden etwa drei Viertel der 500 größten US-Firmen und viele kleinere Mehrprodukt-Unternehmen irgendeine Form von Portfoliotechnik an. Daher geht es nicht um die Frage, ob Planung überhaupt sein soll, sondern darum, wie erfolgreiche Unternehmen die Portfolioplanung wirklich anwenden (und modifizieren). Aus einer dreijährigen Untersuchung der Planungspraxis von mehr als 20 US-Firmen und aus zahlreichen Gesprächen mit Konzernchefs, Planungsexperten und Linienmanagern bin ich zu dem Schluß gekommen, daß die Unternehmen mit der wirksamsten Planung von den folgenden Einsichten ausgehen: * Eine Strategie erstreckt sich über mehrere Ebenen; keine Planungstechnik allein reicht aus, um alle Ebenen gleichermaßen zu berücksichtigen. * Planung wirkt auf die gesamte Organisation ein, und diese Wirkungen müssen antizipiert und gesteuert werden.* Topmanager müssen ihre Zielvorstellungen klar machen und unrealistische Erwartungen ablegen. Erfolgreiche Unternehmen verlassen sich nicht ausschließlich auf die Portfolio-Analyse.* Ein Planungsansatz sollte häufig variiert werden, um ihn geänderten Situationen und Verhältnissen anzupassen.

Drei Strategie-Ebenen

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