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Anzahl Seiten: 5
Anzahl Zeichen: 18.201
Preis: 6,00 €

Das PIMS-Verfahren zur Überprüfung von Diversifikationsvorhaben

Akquisitionen - Strategische oder finanzielle Ziele?

Von J. J. Guiniven und David S. Fisher

Mit Hilfe des PIMS-Instrumentariums, eines der bekanntesten Werkzeuge der strategischen Planung, werden im folgenden Beitrag Akquisitionsvorhaben mit strategischer (im Gegensatz zu investmentorientierter) Ausrichtung analysiert. Ausgangsbasis ist eine Zuordnungsmatrix mit den Dimensionen "operative Effektivität" und "strategische Attraktivität". Die Problematik wird anhand einiger prägnanter Beispiele aufgezeigt, und es werden nach Ansicht der Verfasser zum Teil tiefgreifende Schlußfolgerungen für die Führungspraxis daraus gezogen. Abgesichert werden diese Ergebnisse durch die Erfahrungen aus der PIMS-Datenbank, in der Informationen über nahezu 3000 Geschäftseinheiten gespeichert sind.

J.J. GUINIVEN ist Vice President der PIMS Associates am Strategie P/aning Institute in London. DAVID S. FISHER ist freier Consultant an diesem Institut mit Sitz in Overath.

Eines der wichtigsten Instrumente der Portfolio-Analyse ist PIMS (= Profit Impact of Market Strategy). Es arbeitet unter anderem mit einer Zuordnungsmatrix für strategische Geschäftseinheiten, die sich leicht zur Überprüfung von Akquisitionsstrategien einsetzen läßt (siehe Abbildung 1). Diese Matrix liefert nicht nur ein besseres Verständnis dieser Strategien, sondern erhellt auch die Umstände, unter denen eine gegebene Strategie am ehesten zu Erfolg oder Mißerfolg führt. Vor allem liefert sie Erklärungen dafür. Zwei Faktoren werden zur Bemessung des Erfolgspotentials einer Geschäftseinheit im PIMS-Konzept zugrunde gelegt: genormter Return on Investment (ROI) und operative Effektivität. Kurz gesagt ist die PIMS-Berechnung des genormten ROI oder PAR-ROI die statistisch abgesicherte genormte Rentabilität einer Geschäftseinheit bei einer gegebenen strategischen Ausgangssituation, dargestellt an ihrem Marktumfeld, ihrer Wettbewerbsposition sowie ihrer Kapital- und Kostenstruktur. Die Berechnung der operativen Effektivität erfolgt anhand eines Vergleichs zwischen der Ist- Rentabilität und dem errechneten PAR-ROI, wie er sich aus dem strategischen Profil der Geschäftseinheit ergibt. Eine hohe operative Effektivität liegt dann vor, wenn die Geschäftseinheit eine Leistung erbringt, die über dem PAR-ROI liegt, und umgekehrt. Das folgende Beispiel zeigt, wie diese Bewertung funktioniert. Die Kapitalrendite (ROI) ist für die beiden Geschäftseinheiten A und B gleich hoch, deren strategische Konstellation könnte jedoch nicht unterschiedlicher sein (siehe Abbildung 2). Geschäftseinheit A ist ein strategisches Desaster. Eine solche Geschäftseinheit macht selten einen Gewinn. Die normalisierte Kapitalrendite hegt erwartungsgemäß bei Null, so daß die zwanzigprozentige Ist-Rendite nur durch eine außergewöhnliche operative Effektivität entstanden sein kann. Auf der anderen Seite ist die Situation von Geschäftseinheit B hervorragend. Eine Geschäftseinheit mit diesem Profil könnte eine Kapitalrendite von über 40 Prozent erwarten; somit ist die zwanzigprozentige Ist-Rendite ein Indikator von schwacher operativer Effektivität. Die Positionierung dieser beiden Geschäftseinheiten geht aus der Matrix in Abbildung 3 hervor. Die horizontale und die vertikale Skala ergeben sich aus einer Analyse der ROI- Leistung der ungefähr 3000 in der PIMS-Datenbank gespeicherten Geschäftseinheiten, wobei hier eine viel umfangreichere Zusammensetzung geschäftlicher Charakteristika zugrunde liegt als im genannten Beispiel. Der Maßstab für strategische Attraktivität wurde unter anderem um einen kalkulatorischen PAR- Wert für das Verhältnis von Kurswert zu Buchwert der Investitionen für die jeweilige Geschäftseinheit ergänzt. (Dieser Wert basiert auf Regressionsmodellen, denen Kurswerte der New Yorker und Londoner Börsen zugrunde gelegt wurden). Zwei Merkmale dieser Matrix sind von überragender Bedeutung: Erstens läßt sich die operative Effektivität leichter und schneller ändern als die strategische Attraktivität. Das bedeutet, daß vertikale Bewegungen in der Matrix häufiger vorkommen und schneller zu realisieren sind als horizontale Bewegungen. Zweitens geschehen die vertikalen Bewegungengen nicht willkürlich. Die in der PIMS-Datenbank erfaßten rund 3000 Geschäftseinheiten zeigen eine deutliche Tendenz, daß die Ist-Leistungen sich auf Dauer in Richtung PAR bewegen. Daher kann mit einer hohen Wahrscheinlichkeit erwartet werden, daß sich in jedem der vier Eckbereiche in Abbildung 4 ein spezielles Leistungsschema ergibt. Daraus läßt sich schließen, daß Geschäftseinheiten im oberen Teil eine Leistungsabnahme erfahren. Die Position auf der horizontalen Achse bestimmt, wie steil diese Abnahme sein wird. Geschäftseinheiten im unteren Teil zeigen eine starke Tendenz, ihre Leistung zu steigern. Wiederum bestimmt deren Position auf der horizontalen Achse das Ausmaß der zu erwartenden Verbesserung. Akquisitionskandidaten, die sich im oberen Bereich befinden, werden wahrscheinlich nicht einen Kaufpreis rechtfertigen, der auf der Basis der derzeitigen Leistung ermittelt wurde. Andererseits befinden sich preiswerte Akquisitionskandidaten im unteren Bereich.

Eine geeignete Akquisitionsstrategie für ein gegebenes Unternehmen wird davon abhängen, wie die Geschäftseinheiten im derzeitigen Portfolio auf der Zuordnungsmatrix verteilt sind. Ein Unternehmen, dessen Geschäftseinheiten rechts oben gruppiert sind, sollte sich auf Übernahmekandidaten konzentrieren, die in der Mitte und rechts unten angesiedelt sind.

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