Das Geheimnis des Wal-Mart-Erfolgs
Die Zukunft des potentialgestützten Wettbewerbs
Literatur
Abbildungen + Diagramme
Infografik
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Anzahl Seiten: 14
Anzahl Zeichen: 55.273
Preis: 6,00 €
Von George Stalk, Philip Evans und Lawrence E. Shulman
GEORGE STALK, PHILIP EVANS und LAWRENCE E. SHULMAN sind Vizepräsidenten bei Boston Consulting Group.
In den 80er Jahren stießen die Unternehmen auf die Zeit als wichtige Quelle strategischer Vorteile. Aber bereits jetzt müssen sie lernen, daß der Zeitfaktor nur Teilelement eines weit umfassenderen Wandels ist, der die Spielregeln des Wettbewerbs nachhaltig verändert. Unternehmen, die mit dem Instrument Zeit gekonnt umzugehen wissen - indem sie neue Produkte rasch an den Markt bringen, Just-in-Time produzieren und bei Kundenbeschwerden prompt reagieren -, sind im allgemeinen auch auf anderen Gebieten gut: Sie liefern funktionsgerechte Produkte, erkennen frühzeitig neue Kundenbedürfnisse, besitzen die Fähigkeit, neue Märkte abzuschöpfen, dringen in unbekannte Geschäftsfelder vor, generieren zeitgemäße Ideen und nutzen sie für Innovationen. Doch all diese Tugenden spiegeln nur etwas wider, das weit grundsätzlicheren Charakter hat: ein neues konzeptionelles Verständnis der Geschäftsstrategie, das wir als "auf Leistungspotentialen beruhender Wettbewerb" bezeichnen. Eine erste Ahnung von dieser neuen Welt der potentialgestützten Konkurrenz mag der Blick auf die Handelsriesen Kmart und Wal-Mart vermitteln, deren Schicksal sich auf eine höchst erstaunliche Weise gewendet hat: Noch 1979 war Kmart der König aller Einzelhandelsdiscounter, jener Branche also, die von diesem Unternehmen praktisch erst erschaffen wurde. Mit 1891 Warenhäusern, im Durchschnitt jedes mit einem Umsatz von 7,25 Millionen Dollar, erfreute sich Kmart beachtlicher Größenvorteile. Diese sorgten für günstige Konditionen beim Einkauf, im Vertrieb und im Marketing - nach fast jedem betriebswirtschaftlichen Lehrbuch entscheidend für den Erfolg in einer reifen und nur noch langsam wachsenden Branche. Ganz anders dagegen Wal-Mart, damals nur ein kleiner Nischenhändler im Süden der USA mit lediglich 229 Warenhäusern und gerade halb so hohen Durchschnittsumsätzen wie bei Kmart - also schwerlich ein ernst zu nehmender Mitbewerber. Aber heute, gut zehn Jahre später, hat Wal-Mart nicht nur sich selbst, sondern auch den gesamten Discount-Handel völlig umgekrempelt. Bei jährlichen Wachstumsraten von beinahe 25 Prozent erreicht das Unternehmen den höchsten Umsatz pro Verkaufsfläche, den schnellsten Warenumschlag und den höchsten Betriebsgewinn in der ganzen Branche. Die Umsatzrendite vor Steuern betrug 1989 acht Prozent und war damit fast doppelt so hoch wie die von Kmart (siehe Abbildung 1). Inzwischen ist Wal-Mart das größte und einträglichste Einzelhandelsunternehmen der Welt - eine Leistung, die sich in einer Kapitalrendite von 32 Prozent niederschlägt und in einer Börsenkapitalisierung, die den Buchwert um mehr als das Zehnfache übersteigt. Dabei hat sich das Wal-Mart- Wachstum bislang nur in einer Hälfte der Vereinigten Staaten abgespielt, was einer weiteren Expansion viel Spielraum läßt.
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