Ikea: Der Reichtum neuer Ideen
Das neue Wertdenken
Geschäftliche Allianzen überdenken
Wissen, wie Kundenbeziehungen geknüpft werden
Anzahl Seiten: 12
Anzahl Zeichen: 59.287
Preis: 6,00 €
Von Richard Normann und Rafael Ramírez
RICHARD NORMANN ist Gründer der europaweit tätigen Unternehmensberatung SMG, spezialisiert auf die Entwicklung von Strategien und Geschäftssystemen. RAFAEL RAMÍREZ ist Vizepräsident der SMG und Gastprofessor am Institut Supérieur des Affaires, HEC. Beide leben in Paris.
Strategie wird als die Kunst verstanden, Wert zu schaffen. Sie liefert den gedanklichen Rahmen, die modellhaften Konzepte und Leitvorstellungen, durch die Führungskräfte die Chancen erkennen, wie sie Kunden Wert liefern und dabei noch Gewinn für das Unternehmen erzielen. So gesehen ist Strategie die Art und Weise, wie ein Unternehmen sein Geschäft definiert und es mit den beiden einzigen Ressourcen, die heute entscheidend sind, verbindet: Wissen und Verhältnis zu anderen Akteuren beziehungsweise Kompetenzen und Kunden. Unser gewohntes Verständnis von Wert beruht auf Annahmen und Modellen zur industriellen Wirtschaftsweise. Danach nimmt jedes Unternehmen eine bestimmte Position in der Wertschöpfungskette ein. Zulieferer stellen Vorleistungen bereit, das Unternehmen reichert sie an, um dann die Fertigungskette abwärts den nächsten Akteur zu beliefern, sei dieser Abnehmer nun ein anderer Betrieb oder ein Endverbraucher. Von daher ist Strategie in erster Linie die Kunst, ein Unternehmen am richtigen Platz in der Kette zu positionieren - mit dem richtigen Geschäft, den richtigen Produkten und Marktsegmenten, den richtigen wertsteigernden Tätigkeiten. Heutzutage ist dieses Verständnis vom Wert - und die dazugehörige Strategie - jedoch so überholt wie das alte Fließband in der Fabrik. Der globale Wettbewerb, sich ändernde Märkte und neue Techniken eröffnen für die Wertschöpfung qualitativ völlig neue Wege, die den Unternehmen, Kunden und Zulieferern historisch ungekannte Optionen gestatten. Dabei bedeuten mehr Chancen natürlich auch mehr Ungewißheit und höheres Risiko. Und Prognosen, die auf Planungen von gestern basieren, werden unzuverlässig. Andererseits werden Faktoren, die früher als peripher galten, auf einmal zu zentralen Antriebskräften des Wandels in den Schlüsselmärkten eines Unternehmens. Und Eindringlinge aus Wirtschaftszweigen, zu denen es ehedem keinerlei Bezug gab, verändern über Nacht die Spielregeln. In einem so turbulenten Wettbewerbsumfeld kann sich eine Erfolgsstrategie nicht mehr auf bestimmte Verrichtungen entlang einer Wertschöpfungskette richten. Denn zunehmend fügen erfolgreiche Firmen nicht einfach Wert hinzu - sie erfinden Wert. Ihr wichtigstes Augenmerk bei der Strategieanalyse gilt weniger dem Unternehmen oder seiner Branche, sondern dem wertschöpfenden System, an dem verschiedene Akteure teilhaben - Lieferanten, Unterstützer, Geschäftspartner und Kunden -, um miteinander Wert zu produzieren. Die Kernaufgabe einer Strategie besteht heute darin, die Rollen und Beziehungen im Innern dieser Konstellation von Mitspielern neu auszugestalten, um den Wertschöpfungsprozeß in neuen Formen und mit neuen Spielern voranzutreiben. Anders ausgedrückt: Erfolgsunternehmen verstehen Strategie als das systematische Planen gemeinschaftlicher Innovationen - durch kontinuierliche Entwicklung komplexer Geschäftssysteme. Ein illustratives Beispiel dazu liefert Ikea mit seiner Geschichte, wie sich ein kleines schwedisches Möbelversandhaus in den größten Heimausstatter der Welt verwandelt.
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