RSS Donnerstag, 20. Juni 2013

Inhalt Inhalt

Bewertung der Alternativen

Problematik der Skalenwerte

Lineare oder nichtlineare Skalenwerte?

Die trügerische Verteilung von Noten

Abbildungen + Diagramme
Infografik
Infografik
Infografik
Infografik
Infografik
Infografik

Anzahl Seiten: 5
Anzahl Zeichen: 18.341
Preis: 6,00 €

In der Bewertung von Alternativen gibt es offene und versteckte Ungereimtheiten

Funktionales Bewerten von Alternativen

Von Karl Georg Holtgrewe

Entscheiden heißt, Alternativen auf ihre Verfügbarkeit oder Zulässigkeit hin überprüfen, Unterschiede zwischen den verfügbaren, eindeutig definierten Alternativen bezüglich der einzelnen Forderungen feststellen, diese Unterschiede bewerten und die Alternative auswählen, die den aufgestellten Forderungen insgesamt am besten entspricht. Über Alternativen, die keinerlei Unterschiede aufweisen, muß nicht entschieden werden. Aber selbst der geringste Unterschied wird zum Entscheidungskriterium. Gibt es mehr als einen Unterschied, so ergibt sich das Problem der Gewichtung. Die einzelnen Unterschiede zwischen den Alternativen haben für den Entscheidenden unterschiedliche Gewichte. Nicht nur Unterschiede sind Maßstab für die Gewichtung der Zielkriterien, sondern auch deren relative Größenordnung. Diese Erkenntnis zwingt zu einem anderen Gewichtungsverfahren als es allgemein üblich ist.

KARL GEORG HOLTGREWE, Dr. rer. pol, ist Inhaber einer Beratungsfirma, die sich auf die Durchführung von Seminaren über Denk- und Verhaltensprozesse spezialisiert hat. Er ist Autor von Büchern und hat führende Positionen in der Industrie im In- und Ausland bekleidet.

Die gebräuchlichen und in der Literatur immer wieder angeführten Gewichtungs- und Bewertungsverfahren setzen Zielkriterien miteinander in ein Gewichtsverhältnis, indem sie die Frage stellen: Welche Gewichte haben die Zielkriterien1l - n zueinander? In einem zweiten Akt werden dann die Alternativen hinsichtlich der einzelnen Zielkriterien bewertet, indem man den Alternativen je nach Erfüllung der einzelnen Zielkriterien Punkt zuteilt und diese dann mit den Gewichten der Zielkriterien multipliziert. Wenn man, wie bisher, Zielkriterien miteinander ins Gewicht setzt, ohne die Alternativen und deren Unterschiede bei diesem Vorgang zu berücksichtigen, dann wird damit ausgesagt, daß Zielkriterien ein absolutes Gewicht zukommt, daß sie sozusagen fest verankert sind in der Wertvorstellung des Entscheidenden. Diese Wertvorstellung wird selbstverständlich von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein und aus der unterschiedlichen Interessenlage auch unterschiedlich sein müssen. Hieraus ergeben sich unterschiedliche Gewichtungen der einzelnen Zielkriterien, über die man sich im Zweifelsfalle oder im Konfliktfalle einig werden muß, will man zu einem Konsens in einer bestimmten Entscheidung kommen. Unterschiedliche Interessenlagen wird es aber fast immer geben, wenn mehrere an einem Entscheidungsprozeß beteiligt sind. Mit diesem Tatbestand würde man um so schwieriger fertig werden, je fester diese konträren Wertvorstellungen in den am Entscheidungsprozeß Beteiligten verankert wären. Käme die Gewichtung der Zielkriterien bei jedem einzelnen gar einem absoluten Wert gleich, so müßte man von vornherein davon ausgehen, daß es bezüglich der anstehenden Entscheidung nicht zu einem Konsens kommt. Auch die beste Methode würde diese Schwierigkeiten nicht überbrücken. Ist dies nun wirklich so? Hier muß die Kritik an den bisher üblich Verfahren einsetzen. Die Gewichtungen unterschiedlicher Zielkriterien haben in der Wertvorstellung des einzelnen keinen festen Bezug zueinander, sondern richten sich nach der jeweiligen Entscheidungssituation und nach den zur Verfügung stehenden Alternativen. Wie oben ausgeführt, sind letztlich die Unterschiede zwischen den Alternativen bezüglich des jeweiligen Zielkriteriums Maßstab für seine Gewichtung. Weisen die verfügbaren Alternativen hinsichtlich eines Zielkriteriums nur geringe Unterschiede auf, so wird diesem Zielkriterium sicherlich ein geringeres Gewicht zugemessen, als wenn dem gleichen Zielkriterium eine Anzahl von Alternativen gegenüberstünde, die in dieser Beziehung einen großen Unterschied aufweisen. Die konsequente Weiterführung dieses Gedankens muß dazu führen, daß ein Zielkriterium, bezüglich dessen die verfügbaren Alternativen überhaupt keinen Unterschied aufweisen, als Auswahlkriterium entfällt. Dies ist nicht nur folgerichtig, sondern entspricht auch dem Vorgehen des Praktikers. Die Fragestellung "Welches Gewicht haben die Zielkriterien l bis n zueinander?" ist also falsch. Sie muß heißen: "Welches Gewicht messe ich den Unterschieden, die die Alternativen 1 bis x bezüglich der einzelnen Zielkriterien aufweisen, einander zu?" Eine Ergänzung ist allerdings wichtig: Die für die Gewichtung relevanten Unterschiede sind die zwischen der schlechtesten und der besten Alternative. Das heißt, daß für die Gewichtung jeweils die maximale Spanne des Alternativsbereichs zugrunde gelegt werden muß.

Ein einfaches Beispiel soll dies klarmachen. Es geht um die Auswahl eines bestimmten Projektes. Fragt man den Finanzexperten des Unternehmens, wie wichtig der Betrag der Investition gegenüber den laufenden Jahreskosten des Projektes ist, so würde er beispielsweise sagen: Der Investitionsbetrag ist sehr wichtig, weil unsere Mittel sehr knapp sind und wir keine weitere Möglichkeit haben, Kapital am Markt aufzunehmen. Die laufenden Kosten hingegen werden wir aus den Erlösen durch das neue Projekt abdecken können. Er gibt also den beiden Zielkriterien folgende Gewichtung: Er argumentiert mit Recht: Der maximale Unterschied von DM 15 000, - bei den Investitionen ist im Verhältnis zu dem maximalen Unterschied bei den laufenden Kosten von DM 100 000, - so gering, daß der erste beinahe vernachlässigt werden kann. Der Finanzmann hat also im Gegensatz zur ersten Gewichtung beim zweiten Mal die jeweiligen Unterschiede von der schlechtesten bis zur besten Alternative miteinbezogen.

Zum Weiterlesen können Sie das vollständige PDF-Dokument erwerben.




Nach oben