Von Michael Diekmann
"Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, die Arbeit aufzuteilen und Befehle auszugeben. Stattdessen bring sie dazu, sich nach dem weiten, endlosen Meer zu sehnen!" Antoine de Saint Exupéry
Oft wird Führungsqualität als geradezu übermenschliche Fähigkeit eines Topmanagers definiert, jeden einzelnen Geschäftsbereich bis in die Tiefe zu überwachen und zu steuern. Führungsqualität wird gleichgesetzt mit operativen Entscheidungen von großer Tragweite, die ganze Regionen und Branchen oder die Organisation als Ganzes betreffen, mit Konsequenzen für alle Konzernbereiche und gleich mehrere Hierarchiestufen.
Tatsächlich waren und sind viele Unternehmensführer mit diesem Ansatz erfolgreich; die Medien stellen sie oft als mächtige, manchmal sogar allwissende Managerpersönlichkeiten dar. Ins gleiche Horn stoßen Kritiker, die behaupten, es sei ein Zeichen für schwache Führung, wenn das Topmanagement seinen gut arbeitenden Töchtern zu viele Freiheiten einräume. Mit dieser steilen These schieben sie kurzerhand eine gesamte Managementphilosophie beiseite - obwohl es meines Wissens keinen Nachweis dafür gibt, dass zentral geführte Unternehmen per se erfolgreicher sind als solche mit einer dezentralen Kultur.
Nun ist es nicht von der Hand zu weisen: In den vergangenen, konjunkturell guten Jahren waren viele Unternehmen erfolgreich, unabhängig davon, ob das Management sie nun zentral führte oder nicht. Aber erst in schwierigen Zeiten zeigt sich, welcher Führungsstil wirklich der richtige ist. Dann wird sichtbar, wer tatsächlich nachhaltig erfolgreich arbeitet.