Abbildungen + Diagramme
Infografik
Anzahl Seiten: 10
Anzahl Zeichen: 32.452
Preis: 4,00 €
Von Johann Füller, Birgit Rieder und Hans Mühlbacher
Deutsche Unternehmen sind dafür bekannt, technisch perfekte Neuprodukte auf den Markt zu bringen. Die Hälfte dieser Innovationen scheitert jedoch, trotz Marktforschung. Die Notwendigkeit, das Floprisiko zu vermindern, ist offensichtlich, der Bedarf an neuen Methoden und Werkzeugen die logische Konsequenz. Wie Untersuchungen aus dem Industriegüterbereich belegen, wirkt sich die Einbindung von Kunden positiv auf den Erfolg neuer Produkte aus. Unternehmensberater und Wissenschaftler fordern deshalb auch für den Konsumgüterbereich, den Kunden konsequent in den Entstehungsprozess eines Produkts zu integrieren, um auf diese Weise den Innovationsprozess zu verbessern.
Die Kundenintegration vom Industriegüterbereich auf den Konsumgütersektor zu übertragen ist nicht ganz einfach. Während viele Industrieprodukte in relativ niedrigen Stückzahlen gefertigt werden, handelt es sich bei den Konsumgütern um Massenartikel. Industriegüter sind oft maßgeschneiderte Aufträge einzelner Kunden. Konsumgüter hingegen sollen den Geschmack möglichst vieler Kunden treffen. Die Käufer von Industriegütern sind meist selbst Experten, private Konsumenten sind in der Regel nicht in der Lage, ihre Vorstellungen von einem Neuprodukt und die Anforderungen, die sie daran stellen, fachgerecht zu formulieren. Sie versuchen es trotzdem. Die Folge: Bei Firmen wie der Deutschen Bahn oder GlaxoSmithKline laufen in den entsprechenden Abteilungen die Telefone heiß. Vorschläge und Änderungswünsche sprudeln wie ein nicht versiegen wollender Quell. Für die Unternehmen ist es jedoch schwierig und kostspielig, aus dieser Flut die wertvollen Beiträge herauszufiltern. Es fehlt also ein Werkzeug, mit dessen Hilfe sich Kunden unkompliziert und schnell an der Produktentwicklung beteiligen können.
Das Institut für Wertprozessmanagement der Universität Innsbruck untersuchte anhand von Praxisprojekten des Münchener Unternehmens Hyve die Möglichkeiten, Kunden in die Entwicklung von Konsumgütern einzubinden. Wir stellten fest: Konsumenten sind durchaus fähig , sich konstruktiv an der Produktentwicklung zu beteiligen - obwohl sie als Laien eine vollkommen andere Sprache sprechen als die entwickelnden Ingenieure, Designer und Produktmanager. Sie sind motiviert und engagieren sich auch über mehrere Entwicklungsprojekte hinweg. Mit der Zeit entsteht so eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Unternehmen und Kunde. Das kann so weit gehen, dass der Kunde in dieser Phase zu einer Art Mitarbeiter auf Zeit wird. Generell identifizieren sich die Teilnehmer von Entwicklungsprojekten in hohem Maße mit dem Unternehmen und dem Neuprodukt. Das zeigt ein Designwettbewerb des österreichischen Kristallherstellers D. Swarovski & Co. im Internet: Über 30 Minuten widmeten die Teilnehmer durchschnittlich der Gestaltung von Mustern aus Kristallen, die auf die Haut geklebt werden (Crystal Tattoos).
Mit speziellen Werkzeugen (Toolkits) können Firmen relativ einfach auf die normalerweise schwer zugänglichen Ideen und auf das Wissen in den Köpfen der Kunden zugreifen. Dazu gehört zum Beispiel eine bestimmte Software, die wir in die Internet-Auftritte der Unternehmen integrierten und die auf den speziellen Zweck der Entwicklungsaufgabe zugeschnitten ist. Toolkits sind allerdings nicht mit den bei der Mass Customization eingesetzten Konfiguratoren zu verwechseln. Konfiguratoren ermöglichen den Kunden lediglich, aus einer Vielzahl vorgegebener Möglichkeiten die persönlich bevorzugte Variante auszuwählen, ohne dabei selbst Lösungen zu entwickeln. Das gewünschte Resultat sind Customized Innovations, Neuprodukte, die von Kunden (mit-)entwickelt wurden.
Drei Phasen der Entwicklung