Vom Erfolg in die Katastrophe
Auf Schatzsuche
So funktioniert die Rettung
Erfolge beflügeln
Wie das US-Konkursrecht ganze Branchen ruiniert
Anzahl Seiten: 10
Anzahl Zeichen: 45.798
Preis: 4,00 €
Von David N. James
Erfolg an der Börse, ungeplante Gewinne oder falscher Expertenrat verleiten selbst Manager solider Unternehmen dazu, leichtsinnig zu werden. Sie steigen - oft gedrängt von ihren Anteilseignern - in neue Märkte ein oder investieren in Firmen, deren Geschäft sie nicht völlig verstehen. Verschlechtert sich dann das wirtschaftliche Klima, stehen diese Unternehmen schnell am Rande des Abgrunds. Der erste Impuls vieler Führungskräfte in einer solchen Situation ist, Kosten zu senken und den Umsatz zu steigern. Sie wollen so den Cashflow erhöhen, um das Unternehmen als Ganzes zu retten. Doch das bringt meist nicht schnell genug den erhofften Erfolg.
Trotzdem ist längst nicht alles verloren. Der Autor empfiehlt, die Bilanz des angeschlagenen Unternehmens unter die Lupe zu nehmen. Er sucht dabei nach Vermögenswerten, die sich aus dem Unternehmen herauslösen und Gewinn bringend verkaufen lassen. Das bedeutet allerdings harte Arbeit unter großem Zeitdruck, Mut zu unpopulären Entscheidungen und Durchsetzungsvermögen. Denn der Sanierer wird selten mit offenen Armen empfangen.
Ich rette Unternehmen, die in Schwierigkeiten stecken. Im Laufe meiner Tätigkeit als professioneller Krisenmanager habe ich - in der Regel als Vorstandsvorsitzender - für mehr als 90 Firmen aus unterschiedlichen Branchen, vom Handel bis zum Luftverkehr, gearbeitet. Zu meinen Mandanten zählten sowohl große Publikumsgesellschaften als auch kleinere Unternehmen in Privatbesitz. Allen gemeinsam war, dass sie kurz vor dem Zusammenbruch standen.
Wenn ich gerufen werde, ist für die Anteilseigner meist nicht mehr viel zu retten. Dennoch ist längst nicht alles verloren. Fast alle der von mir geführten Unternehmen bestehen bis heute in irgendeiner Form fort; die Firmen konnten Bankschulden von mehr als einer Milliarde britischen Pfund tilgen, etwa den gleichen Betrag erhielten andere nachrangige Gläubiger zurück. Außerdem retteten wir mehr als 30 000 Arbeitsplätze. Professionelles Krisenmanagement ist aber nicht nur für die unmittelbar Beteiligten segensreich, es ist auch ein wichtiges Instrument, um die Folgen eines Zusammenbruchs für das wirtschaftliche Umfeld abzumildern.
Der Beruf des Krisenmanagers hat sich über die Jahre sehr gewandelt. Als ich anfing, waren wir eine überschaubare Truppe von einem halben Dutzend Experten. Unsere Einsätze konzentrierten sich auf Zusammenbrüche größerer Unternehmen. Heute gibt es in Großbritannien 100, wenn nicht mehr selbst ernannte Turnaround-Experten. Während ich mich nach wie vor auf Großunternehmen konzentriere, kümmert sich die neue Generation der Sanierer vorrangig um kleinere Firmen. Groß oder klein: Die Vorgehensweise ist im Wesentlichen immer gleich. Jetzt, wo ich mich langsam auf den Ruhestand vorbereite, möchte ich die - teilweise sicher überraschenden - Erfahrungen aus meiner Praxis einem breiteren Publikum präsentieren.