RSS Donnerstag, 17. Mai 2012

Inhalt Inhalt

Sensationell oder selbstverständlich?

Wie Stimmungen übertragen werden

Ein guter CEO - so etwas wie ein Arzt

Sensibilität entwickeln

Die Stimmung - wichtiger als Sachfragen

Lächeln Sie, und die Welt lächelt mit Ihnen

Die Wirkung von Führungskräften in Krisenzeiten

Anzahl Seiten: 13
Anzahl Zeichen: 54.177
Preis: 4,00 €

Die Gefühlslage des Chefs - sie bewirkt Wunder oder Unheil

Von Daniel Goleman, Richard Boyatzis und Annie McKee

Ein emotional intelligenter Manager muss die eigenen Stimmungen beherrschen lernen, wenn er andere wirklich führen will. DANIEL GOLEMAN, RICHARD BOYATZIS, ANNIE McKEE

Nicht nur ein hoher Intelligenzquotient, sondern vor allem auch hohe emotionale Intelligenz führt zu besseren Ergebnissen - diese Erkenntnis beginnt sich seit einigen Jahren durchzusetzen. Bisher nicht bekannt war hingegen, wie stark die Gefühlslage eines Vorgesetzten dessen Fähigkeit beeinflusst, emotional intelligent zu führen. Natürlich wissen die meisten Leute, dass ein cholerischer oder brutaler Chef das Klima in einem Unternehmen vergiften kann. Dagegen wird ein optimistischer und inspirierender Chef seine Mitarbeiter dazu motivieren, sich jeder Herausforderung zu stellen. Aber Managern ist erstaunlich selten klar, welche Auswirkungen ihre Stimmung haben kann. Dabei kommt es in der Regel zwischen Führungskräften und Mitarbeitern zu einem verblüffenden Wechselspiel von subtilen Emotionen. Zum Glück können Manager in fünf Stufen lernen, ihre Gefühle besser zu deuten, um dann zu verstehen, wie sie durch ihren Führungsstil und ihr Verhalten die Stimmung und das Handeln im Unternehmen prägen.

Als die Theorie der emotionalen Intelligenz am Arbeitsplatz auf ein immer breiteres Interesse stieß, hörten wir Führungskräfte häufig zwei Dinge im gleichen Atemzug sagen: "Das ist unglaublich." Und: "Das habe ich doch schon längst gewusst." In dieser Weise reagierten sie auf unsere Forschungsergebnisse. Mit denen konnten wir unbestreitbar eine Verbindung nachweisen zwischen der emotionalen Reife eines Chefs, die sich in Fähigkeiten wie Selbstreflexion und Empathie äußert, und der finanziellen Leistung der Betreffenden. Die Untersuchungen belegten vereinfacht gesagt, dass die "guten" Führungskräfte - also die emotional intelligenten - schneller ans Ziel kommen.

Vor kurzem haben wir die Ergebnisse unserer zwei Jahre währenden Untersuchungen zusammengetragen, die, so vermuten wir, sehr ähnliche Reaktionen provozieren dürften. Zunächst werden die Leute aufschreien: "So ist das auf keinen Fall!", um dann schleunigst hinzuzufügen: "Aber das ist doch selbstverständlich." Unserer Erkenntnis nach sind von allen Faktoren, die die Unternehmensleistung beeinflussen, die Wirkung der Stimmung der verantwortlichen Manager einerseits und das damit einhergehende Verhalten andererseits am erstaunlichsten. Dieses mächtige Paar löst eine Kettenreaktion aus: Die Stimmung und die Verhaltensweise der Führungskraft prägen die emotionale Verfassung und die Verhaltensweise aller anderen Mitarbeiter. Ein cholerischer und rücksichtsloser Chef erzeugt ein schlechtes Klima im Betrieb, was dazu führt, dass er bald von lauter negativ eingestellten und wenig leistungsfähigen Mitarbeitern umgeben ist, die alle sich bietenden Chancen ignorieren. Ein inspirierender, integrierender Vorgesetzter hingegen zieht sich Helfer heran, die jede Herausforderung frohgemut in Angriff nehmen. Das letzte Glied der Kette ist Leistung: in Form von Gewinn oder Verlust.

Unsere Beobachtung des überwältigenden Einflusses, den der, wie wir es nennen, "emotionale Stil" einer Führungskraft ausübt, bedeutet keine völlige Abkehr von unseren früheren Forschungsergebnissen zur emotionalen Intelligenz. Sie stellt vielmehr eine tiefer gehende Analyse einer von uns schon in der Vergangenheit getroffenen Feststellung dar, der zufolge die emotionale Intelligenz einer Führungskraft ein bestimmtes kulturelles Klima oder eine gewisse Arbeitsatmosphäre hervorruft. Wie unsere Forschung gezeigt hat, schafft eine ausgeprägte emotionale Intelligenz Arbeitsumfelder, in denen der Informationsaustausch, das gegenseitige Vertrauen sowie eine gesunde Risiko- und Lernbereitschaft gedeihen. Ein geringes Maß an emotionaler Intelligenz hingegen erzeugt ein Klima voller Furcht und Angst. Weil angespannte oder verängstigte Mitarbeiter kurzzeitig sehr produktiv sein können, weisen ihre Unternehmen möglicherweise gute Ergebnisse auf; doch sind diese nie von Dauer.

Unsere Untersuchungen galten teilweise der Frage, auf welche Weise emotionale Intelligenz die Leistung bestimmt; vor allem, wie sie, von der Führungskraft ausgehend, durch das Unternehmen hindurchwirkt, um schließlich Ergebnisse zu zeitigen. "Was", so fragten wir, "hält die Kette zusammen?" Um eine Antwort zu finden, nahmen wir uns jüngste neurologische und psychologische Studien vor. Zudem werteten wir unsere Arbeit mit Führungskräften aus der Wirtschaft aus sowie ferner die Beobachtungen unserer Kollegen von hunderten von Führungskräften und Daten der Hay Group über die Führungsstile von tausenden von Managern. Anhand dieses Forschungsmaterials entdeckten wir, dass emotionale Intelligenz im Unternehmen wie Strom in einer Leitung weitergeleitet wird. Genauer gesagt: Die Stimmung eines Unternehmensführers ist buchstäblich ansteckend und breitet sich schnell und unaufhaltsam im gesamten Unternehmen aus.

Zum Weiterlesen können Sie das vollständige PDF-Dokument erwerben.




Nach oben