Die Kunst, ein bewegliches Ziel zu treffen
Zehn gefährliche Fallen
Das richtige Einstellungsverfahren
Die konkrete Suche
Mut zu überlegten Entscheidungen
Anzahl Seiten: 17
Anzahl Zeichen: 70.516
Preis: 6,00 €
Von Claudio Fernández-Araóz
Die Fehlbesetzung eines Chefpostens kann üble Folgen haben - für die betroffene Organisation ebenso wie für die Beteiligten. Aber warum kommt es immer wieder zu falschen Personalent- scheidungen? In erster Linie, weil viele Führungskräfte bei der Auswahl der Kandidaten einfach gutgläubig sind. Sie vertrauen zu leicht, was in den schriftlichen Bewerbungsunterlagen steht, was Referenzpersonen angeben oder was dieser selbst im Vorstellungsgespräch erzählt. Wenigstens zehn "Einstellungsfallen" gibt es. Zu diesen gehören unter anderem unrealistische Anforderungen, unstrukturierte Interviews und Einmischung Dritter. Nötig ist ein streng systematisches Vorgehen - schon beim Entwurf des Anforderungsprofils, bei der Suche nach geeigneten Kandidaten und ihrer Evaluierung bis hin zur Vertragsverhandlung. Alle Schritte verlangen Disziplin und oft auch den Mut, mit Konventionen zu brechen.
Noch nie ist die Besetzung von Führungspositionen einfach gewesen. Bereits vor 2000 Jahren haben sich chinesische Beamte der Han-Dynastie bemüht, das Einstellungsverfahren zu systematisieren - sie erarbeiteten lange und genaue Stellenbeschreibungen für Posten im höheren Staatsdienst. Wie aber archäologische Funde zeigen, waren die Erfolge spärlich: Nur in seltenen Fällen erfüllten die hohen Staatsdiener, die nach diesen Vorgaben eingestellt wurden, die Anforderungen.
Diese betrübliche Tradition führen heutzutage auch viele Firmen fort, wenn sie hochrangige Führungspositionen besetzen.
Gewiss fehlt es nicht an Versuchen, den Einstellungsprozess funktioneller und vorhersagbarer zu gestalten - per Einstellungsgespräch, Referenzüberprüfung und zuweilen auch Persönlichkeitstest. Doch Fehlbesetzungen passieren reichlich. So ergaben mehrere Studien von Wissenschaftlern und unabhängigen Beratungsfirmen, dass auf 30 bis 50 Prozent aller Neubesetzungen eine rasche Kündigung folgt - entweder durch das Unternehmen oder den Betroffenen selbst.
Die Besetzung von Führungspositionen war stets eine dornige Aufgabe. Aber sie ist in der heutigen Wirtschaft noch schwieriger geworden. Durch die Globalisierung hat der Bedarf an fähigen Führungskräften stark zugenommen, während das Angebot gleichzeitig abnimmt. Immer häufiger ziehen es tüchtige Manager und vielversprechende Hochschulabsolventen vor, einem dynamischen Jungunternehmen beizutreten oder sich selbstständig zu machen.